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Unser Recap von der BIOFACH 2017

Die diesjährige BIOFACH war wieder einmal ein Highlight.
Wer das erste Mal auf die BIOFACH kommt, der wird fast überwältig von dem Überangebot an Ausstellern. Man braucht mindestens zwei Tage, um sich alleine einen Überblick über die deutschen Stände zu machen. Dieses Mal konnten wir an einem Blogger-Rundgang zum Thema „Ethik auf dem Teller“ teilnehmen, was eine super Gelegenheit war, einzelne Produzenten und Verbände besser kennenzulernen.

Unser erster Weg führte uns zu Naturland. Dort trafen wir den Geschäftsführer, Steffen Reese. Er erzählte uns, was fairer Handel für ihn bedeutet bzw. welche Standards Naturland in Zukunft diesbezüglich setzen will und wie man Handel betreiben kann, der für Länder im Norden und gleichermaßen Länder des Südens und deren Ressourcen verträglich ist. Als Beispiel nannte er den Tomatenanbau in Spanien. Das andalusische Klima ist zwar perfekt für die Tomaten, aber der Wasserverbrauch ist enorm und dadurch bleibt die Nachhaltigkeitsbilanz gering. Hinzu kommen mangelnde Sozialstandards wie etwa die Ausbeutung durch Wanderarbeiter aus afrikanischen Ländern oder Osteuropa.

Messestand Naturland

Hassan Hakim und Naturland Geschäftsführer Steffen Reese diskutierten am Messestand mit den Teilnehmern des Blogger-Rundganges. Foto: Vogl

Auch die Bewahrung der Saatenvielfalt ist Thema. Als positives Beispiel zeigte er uns Biochips aus Peru. Diese werden zu 100% in Südamerika angebaut (in peruanischen Dörfern geerntet und in Lima zu Chips verarbeitet), sind bio und alle Produktionsketten erhalten einen fairen Preis.

Die Kooperative Central de Productores Agropecuarios para la Industria Andina wurde 2008 gegründet und umfasst heute etwa 90 Mitgliedsfamilien in zwei Dörfern in der südwestlichen peruanischen Provinz Huancavellica. Ziel ist es, die Lebensqualität der Mitglieder und ihrer Familien mit Hilfe des Anbaus traditioneller Kartoffelsorten dauerhaft zu verbessern und die Saatgutvielfalt von fast ausgestorbenen Kartoffelsorten zu erhalten.

Nachhaltige Chips

Bio und Fair Trade: Die Peru-Chips als positives Beispiel. Foto: Vogl

Naturland sieht Mengenausgleich kritisch

Abschließend erzählte Steffen Reese von den Bestrebungen des Naturland Fair-Gütesiegels. Naturland sieht den „Mengenausgleich“ kritisch und will für sein Siegel Produkte, die nach den ökologischen Kriterien von Naturland angebaut und verarbeitet werden und außerdem fair gehandelt sind. Voraussetzung für die Fair-Zertifizierung ist eine gültige Naturland-Öko-Zertifizierung.

Zur Erklärung: Der so genannte „Mengenausgleich“ wurde von Fairtrade International (FLO) festgelegt. Er kann angewandt werden bei Produkten wie z.B. Kakao, Rohrzucker, Fruchtsäfte und Tee. Voraussetzung für den Mengenausgleich ist, dass sich die angestrebte physische Rückverfolgbarkeit für diese Produkte nicht umsetzen lässt; anders gesagt, wenn es in der Verarbeitung keine Trennung zwischen Fairtrade- und nicht Fairtrade-Rohwaren gibt, also die Zutaten in der Folge nicht bis ins einzelne Päckchen zurückzuverfolgen sind. Der Mengenausgleich soll sicherstellen: Die eingekaufte und verkaufte Menge an Fairtrade-Produkten in der gesamten Lieferkette muss sich entsprechen. Er soll gewährleisten, dass hierzulande nicht mehr Produkte mit dem Fairtrade-Siegel verkauft werden, als Rohwaren im Ursprung eingekauft wurden. Mehr Infos zum Mengenausgleich auch hier!

Nordisch-Brösel, Pop-Brösel oder Bayern-Brösel

Danach führte uns Hassan Hakim (er wird beim BiolebensmittelCamp eine der Keynote-Speeches halten) durch die gut gefüllte Messehalle weiter zum Stand von Herbaria. Dort verkosteten wir Brösel, ja genau, Brösel. Der bayerische Hersteller hat aus der eigentlich alten Methode hartes Brot zu verarbeiten, eine neue Art des Würzens gemacht: Die Brösel haben klingende Namen wie Nordisch-Brösel, Pop-Brösel oder Bayern-Brösel und sind zum Drüberstreuen, Reinmischen oder als Knuspermantel gedacht.

Brösel von Herbaria

Mit Brösel kann man auch seine Speisen „würzen“. Foto: Vogl

Exotische Algenverkostung

Claudia Busse-Uhrig, Geschäftsführerin von Undines Gold, erklärte uns, was es mit den Algen und der Nachhaltigkeit auf sich hat. Laut Busse-Uhrig sind Algen deshalb so nachhaltig, weil bei der Algenproduktion nicht in die Natur eingegriffen bzw. sie verschmutzt wird. Neben Sonnenlicht und CO2 benötigen Algen nur anorganische Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor und man braucht vor allem keine landwirtschaftlichen Nutzflächen. Auch die Biomasseproduktivität ist im Vergleich zu Landpflanzen viel höher. Algen werden in 3 Monaten bis zu 1 Meter lang und haben einen nussig-süßen Geschmack. Angebaut werden die Algen in der Polarregion, eben dort, wo das Wasser richtig sauber und (noch) frei von Umweltverschmutzungen ist. Zum Verkosten kam ein Algensenf – sehr fein im Geschmack.

Die Pflanzen der Zukunft: Algen

Algen brauchen wenig Anbaufläche. Foto: Vogl

Exotisches Fruchtfleisch als Fleischersatz

Und danach ging es zum Stand von Julia, die mit Jacky F ein soziales Food-Start-Up betreibt. Sie verbrachte mehrere Monate in Sri Lanka und lernte dort die Jackfruit kennen, die in Asien weit verbreitet ist. Dadurch kam ihr die Idee die in Europa ziemlich unbekannte Jackfruit als Fleischalternative zu vermarkten. Seit November vertreibt sie das Fruchtfleisch der Jackfruit aus Sri Lanka als veganes Produkt. Für uns hat die Jackfruit ein wenig die Konsistenz einer Ananas, sie wird auch als sehr fleischähnlich beschrieben und lässt sich mit ein paar Gewürzen zu Burgern oder zartem Geschnetzelten zubereiten. Im Gespräch erzählte uns Julia auch, dass ihr die Wertschöpfung im Ursprungsland sowie eine faire Lieferkette wichtig sind.

Das Fruchtfleisch der Jackfruit ist sehr nahrhaft.

Julia vertreibt die Jackfruit in Deutschland. Foto: Vogl

Fruchtfleisch der Jackfruit.

So sieht die Jackfruit aus. In Asien eine alltägliche Frucht, in Europa eher unbekannt. Foto: Vogl

 Gute Idee, um Artenvielfalt zu stärken

Zu guter Letzt landeten wir während unseres Rundganges bei einem ganz neuen innovativen Unternehmen namens Vivasphera. Dort hat man sich auf die Vermarktung von Produkten aus Biosphärenreservaten spezialisiert. Zur Erklärung: In einem Biosphärenreservat muss es z.B. eine Pufferzone (Schutzgebiet) von 3% der Gesamfläche geben, die niemand betreten darf. Ein Biosphärenreservat wird von der UNESCO festgelegt, in Deutschland gibt es 16 davon. In einem Biosphärenreservat muss nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht verwirklicht werden. Ziel ist, die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zu fördern und das Artensterben einzugrenzen. Mit dem Kauf soll man sozusagen mithelfen, die Arten zu schützen. Die Rhön, also dort wo unser 1. BiolebensmittelCamp stattfindet, befindet sich in so einem Reservat.

Produkte aus dem Biosphärenreservat

Herr Kullmann von Vivasphera im Gespräch mit Hassan Hakim. Foto: Vogl

Nach dem Rundgang blieb noch genug Zeit, um bei unseren Kooperationspartnern vorbeizuschauen. Wir statteten Fabi, Nici und Franzi Breisinger von den All Organic Treasures einen Besuch ab, besprachen letzte Details zum BiolebensmittelCamp mit Sonnentor, verkosteten Cocktails am Bionade-Stand, schlürften den neuesten Schrei, Birkenwasser bei Voelkel, trafen nette neue Leute am Stand von Unternehmensgrün, verspeisten Ayurveda-Teller, probierten veganes Eis, hüllten uns in Kombucha-Kosmetik, feierten am Stand von Lammsbräu und mit dem Messeteam 10 Jahre Bloggertreffen auf der Biofach und Vivaness und hatten – alles in allem – eine ganz feine Zeit auf der Messe!

Sonnentor auf der Biofach 2017

Am Stand von Sonnentor werden letzte Details zur Veranstaltung besprochen. Foto: Vogl