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Storytelling und PR für Biolebensmittel: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Journalisten, Bloggern und Influencern?

Was macht gutes Storytelling aus? Und wie kann man abwägen, ob ein Journalist, Blogger oder Influencer zu meinem Unternehmen passt? Im Interview klären uns Kati Drescher und Nadine Binias von sieben&siebzig auf, was bei der PR für Biolebensmittel zu beachten ist und welche Rolle eine PR-Agentur in der Zusammenarbeit spielt.

Was ist bei PR für Biolebensmittel zu beachten? Kati Drescher (rechts) und Nadine Binias von der PR-Agentur sieben&siebzig. Foto: sieben&siebzig

Was ist bei PR für Biolebensmittel zu beachten? Kati Drescher (rechts) und Nadine Binias von der PR-Agentur sieben&siebzig. Foto: sieben&siebzig

Ihr habt in eurer Session beim BiolebensmittelCamp betont, dass Medien offen sind für Emotionalisierung – was bedeutet das genau und wie kann man das als Bio-Unternehmen nutzen?

In der PR ist es immer wichtig, Emotionen zu erzeugen. Das ist bei der Produkt-PR oft einfach nur die ästhetische Optik oder ein gut geschriebener Pressetext, der das Produkt so rüberbringt, dass der Journalist es förmlich schmecken, riechen, fühlen kann. Bio-Unternehmen sollten Medienvertretern außerdem immer die Möglichkeit geben, das Produkt auch wirklich zu testen, z.B. durch einen gezielten Musterversand oder sogar über einen kleinen Event zum Produktlaunch.

Oft scheint es, als ob Journalisten und Blogger von zwei ganz unterschiedlichen Planten kommen? Was sind eurer Meinung nach die Unterschiede und wie arbeitet man am besten mit beiden zusammen?

Der Unterschied ist nur auf den ersten Blick groß, betrachtet man die beiden Wesen genauer, stellt man fest, dass sie vor allem Menschen sind und man ihnen mit Respekt und größtmöglichem Servicegedanken gegenübertreten sollte. Das heißt, man sollte sich fragen: Was braucht der seriöse Tagespresse-Journalist von mir, was braucht der ästhetisch orientierte Autor eines Magazinbeitrags, was der schnelle und informationsüberladene Blogger? Es ist also wie so oft eine Frage der guten Planung und Organisation, wenn man erfolgreich PR für verschiedene Anspruchsgruppen machen möchte.

Wie schafft man den Spagat zwischen einer Pressemeldung, die an viele Journalisten gleichzeitig geht, und der direkten, sehr persönlichen Ansprache? Wie kann dabei eine PR-Agentur behilflich sein?

Die PR-Agentur hat den entscheidenden Vorteil, dass es ihre explizite Aufgabe ist, mit den Journalisten und Bloggern zu kommunizieren. Dafür setzen wir unsere ganze Zeit ein. Wenn man dann noch wie wir Synergien nutzen kann, dann schafft man den Spagat. Der eine bekommt einfach einen schnellen Download-Link, denn mehr ist nicht gewünscht, der andere wird in vielleicht über 20 Minuten am Telefon wirklich überzeugt, eine Geschichte überhaupt erst in Betracht zu ziehen. Eine Presseinfo ist immer nur ein erster Schritt und eine Basisinfo. Die eigentliche Arbeit beginnt danach.

Nadine hat beim 1. BiolebensmittelCamp auch eine Session zu dem Thema "PR für BioLebensmittel – Status quo und Besonderheiten" gehalten. Foto: BiolebensmittelCamp / Dirk Holst, www.dhstudio.de

Nadine hat beim 1. BiolebensmittelCamp auch eine Session zu dem Thema „PR für BioLebensmittel – Status quo und Besonderheiten“ gehalten. Foto: BiolebensmittelCamp / Dirk Holst, www.dhstudio.de

Zuerst Journalisten, dann Blogger und jetzt Influencer, wie behält man da den Überblick? Wie kann man Medien qualitativ bewerten?

Das ist eine berechtigte Frage! Kategorisieren, analysieren und bewerten von Medien aller Art ist eine weitere typische Aufgabe für PR-Agenturen und eine sehr strategische Sache. Je nach Kunde, Thema und Aufgabenstellung variiert das nämlich auch noch. Komplexität liegt in der Natur der Sache, wenn es um Kommunikation geht. Wichtig ist, dass Unternehmen ganz genau überlegen, von wem sie gesehen werden wollen und was ihre Zielgruppe (oder neu zu erschließende Zielgruppe) ist, und dann gemeinsam mit einer Agentur überlegen, welche Medien und Influencer dafür wirklich die richtigen sind.

Da gehört das Kriterium „Gefühl“ tatsächlich zur professionellen Herangehensweise dazu. Wir entscheiden mit unseren Kunden gemeinsam, wer richtig für sie ist, und versuchen, bestmögliche Empfehlungen abzugeben auf Basis einer qualitativen und auch quantitativen Einordnung.

Stichwort Storytelling: Könnt ihr uns in drei Sätzen sagen, was eine gute Geschichte ausmacht?

Eine gute Geschichte erzeugt Emotionen, ist leicht verständlich und geht mir am besten gar nicht mehr aus dem Kopf.

Dazu brauchen wir gar keine drei Sätze.

Dürfen wir neugierig sein? An welchen Projekten arbeitet ihr aktuell?

Wir organisieren gerade einen unserer sieben&siebzig Trendwalks. Das sind trendorientierte Stadtteil-Führungen für kleine Gruppen, oft auf B2B-Ebene, auf denen wir gemeinsam mit Soziologen oder Wissenschaftlern anderer Fachrichtungen die interessantesten nachhaltigen Projekte, Locations, Läden oder Initiativen besuchen. Unsere Gäste lernen dabei viel darüber, wie Trends entstehen, was sie auslösen können, und lassen sich für eigene Produkte und Projekte inspirieren. Für uns sind die Trendwalks Feldforschung Berliner Art.

Bei Trendwalks werden nachhaltige Projekte, Locations, Läden oder Initiativen besucht. Foto: sieben&siebzig

Bei Trendwalks werden nachhaltige Projekte, Locations, Läden oder Initiativen besucht. Foto: sieben&siebzig

Vielen Dank Kati & Nadine von sieben&siebzig für das aufschlussreiche Interview!