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Trend Superfoods – eine Chance für Produkte aus der Region?

„Superfoods“ – ein Begriff, der die Konsumenten nahezu täglich auf Lebensmittelverpackungen, in Kochbüchern, Zeitschriften und im Web begegnet. Sie machen uns angeblich gesünder, schöner, schlanker und versprechen ein langes Leben. Herkunftsländer der aktuellen Superfoods wie Acai-Beeren oder Chia-Samen liegen meist in Südamerika – die dadurch implizierte ökologische Belastung durch Transport, Lagerung und Verarbeitung ist dementsprechend hoch.

Ein guter Ersatz für Chia-Samen sind die heimischen Lein-Samen. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

Ein guter Ersatz für Chia-Samen sind die heimischen Lein-Samen. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

Superfoods – der Begriff

Was sind „Superfoods“ eigentlich genau und wodurch zeichnen sie sich aus? Sucht man im World Wide Web nach dem Begriff „Superfoods“, findet man nach wenigen Sekunden eine Trefferanzahl von 17.700.000. Superfoods sind demnach ein brandaktuelles Thema, zu dem viel geschrieben und diskutiert wird. Klickt man sich durch die ersten Suchergebnisse, stellt man rasch fest – es handelt sich dabei hauptsächlich um Superfoods aus fernen Ländern, wie Acerola, Camu-Camu, Shiitake-Pilze oder Chia-Samen.

Doch wie definiert man Superfoods? Im Jahr 1915 wird der Begriff „Superfood“ erstmals erwähnt – im Oxford English Dictionary mit folgender Definition:

Ein Nahrungsmittel mit sehr hohem Nährwert oder anderem positivem Nutzen für Gesundheit und Wohlbefinden.

Dr. Rias-Bucher definiert Superfoods folgendermaßen: „Superfoods sind vorwiegend pflanzliche Lebensmittel mit Inhaltsstoffen, die nach allem, was wir bisher wissen, bei Krankheiten vorbeugend und/oder heilend wirken können: Diese Bio-Aktivstoffe oder Phytamine greifen positiv in den Stoffwechsel und andere Funktionen unseres Organismus ein, helfen den Zellen bei der Arbeit, unterstützen unsere körpereigene Killerzellenarmee beim Kampf gegen böse Keime. Zu den Bio-Aktivstoffen zählen auch Vitamine und Mineralstoffe, die man schon lange kennt, deren Wirkungsweise wir aber jetzt aufgrund der genauen Analysenmethoden besser verstehen.“

An apple a day keeps the doctor away! Heimische Bio-Äpfel punkten mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen, die sich u.a. positiv auf den Cholesterinspiegel und die Verdauung auswirken. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

An apple a day keeps the doctor away! Heimische Bio-Äpfel punkten mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen, die sich u.a. positiv auf den Cholesterinspiegel und die Verdauung auswirken. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

Auf die hohe Nährstoffdichte kommt es an!

Die Qualität eines Nahrungsmittels definiert sich durch die so genannte Nährstoffdichte. Sie zeigt das Verhältnis von Nährstoffen im Vergleich zu den Kalorien in einem Lebensmittel auf. Beispiel: Ein Stück Käse hat viele Kalorien und verhältnismäßig wenig Nährstoffe – somit eine geringe Nährstoffdichte. Makronährstoffe wie Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett liefern Energie, Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe liefern die Nährstoffe.

Zwar sind die Mikronährstoffe den Makronährstoffen mengenmäßig unterlegen, aber für eine gesunde Entwicklung sind sie essentiell. Julie Morris bezeichnet Mikronährstoffe als:

Die winzigen großen Helden unseres Nährstoffspektrums.

Für die heimische Bio-Wirtschaft stellt sich also die zentrale Frage, in welchen Produkten eine hohe Dichte an Nährstoffen zu finden ist.

Superfoods aus fernen Ländern vs. heimische Produkte

Die aus dem Amazonasregenwald stammende Acai-Beere, derzeit die ultimative Schönheitsbeere der Hollywoodstars, ist aufgrund der zellschützenden dunklen Pflanzenfarbstoffe begehrt. Dieselben Anthocyane, so genannte sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, finden wir in großer Menge in heimischen Beeren wie den Heidelbeeren, Brombeeren oder schwarzen Johannisbeeren. Diese roten und violetten Farbstoffe agieren als starke Antioxidantien gegen freie Radikale und wirken vorbeugend bei Herz- und Krebserkrankungen. Außerdem enthalten sie eine hohe Menge an Eisen, die dank des enthaltenen Vitamin C besonders gut aufgenommen werden kann.

Das einstige Grundnahrungsmittel der Azteken finden wir heute in vielen aktuellen Rezepten wieder – die Chia-Samen. Die schwarzen und weißen Samen sind als gute Ballaststoffquelle bekannt, wodurch sie für eine lange Sättigung und einen stabilen Blutzuckerspiegel sorgen. Sie weisen einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, Antioxidantien und Eiweiß auf. Zudem eignen sie sich als Bindemittel, Ei-Ersatz für Veganer und sind glutenfrei. All diese Eigenschaften treffen aber auch auf den heimischen Leinsamen zu!

Zwiebeln gehören zu den heimischen Superfoods - sie wirken antibiotisch, sind gut für den Darm und geben erste Hilfe bei Insektenstichen. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

Zwiebeln gehören zu den heimischen Superfoods – sie wirken antibiotisch, sind gut für den Darm und geben erste Hilfe bei Insektenstichen. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

Laut der Lehre von Dr. Budwig geht der Leinsamen kombiniert mit Bio-Quark, in dem die essentiellen Aminosäuren Methionin und Cystein enthalten sind, eine perfekte Partnerschaft ein. Die ungesättigten Fettsäuren sind elektrisch negativ geladen, schwefelhaltige Eiweißmoleküle sind positive geladen. Sie verbinden sich, werden wasserlöslich und transportieren so die Nährstoffe über das Blut in die Zellen.

Weizengras-Pulver begegnet uns in aktuellen Rezepten für grüne Smoothies. Der hohe Gehalt an Chlorophyll macht dieses Superfood so interessant! Dieses Farbpigment der Pflanze wirkt sich in unserem Körper positiv u.a. auf die Blutbildung, die Entgiftung und die Darmaktivität aus. Doch nicht nur im Weizengras ist diese hohe Konzentration an Chlorophyll zu finden, auch im heimischen grünen Gemüse und Blattgemüse, wie Brokkoli, Grünkohl, Mangold, Spinat oder in Kräutern und Wildkräutern.

Heimischer Bio-Brokkoli liefert viel Vitamin C und enthält Inhaltsstoffe, die frei Radikale bekämpfen. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

Heimischer Bio-Brokkoli liefert viel Vitamin C und enthält Inhaltsstoffe, die frei Radikale bekämpfen. Foto: Anke Eder (Natürlich Hausgemacht)

Bewusstsein für hochwertige Bio-Lebensmittel aus der Region schaffen

Vergleicht man die Inhaltsstoffe und Nährwerte einzelner Lebensmittel aus Österreich, so zeigt sich, dass heimische Bio-Produkte absolut vergleichbar mit trendigen Superfoods sind! Es gilt, das Bewusstsein beim Konsumenten für hochwertige Produkte zu schaffen und aufzuzeigen, welche Superkraft im heimischen Apfel, der Zwiebel, dem Leinsamen, dem Brokkoli oder auch dem Löwenzahn aus dem Garten steckt.