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Du machst das! Wie aus einer Vision Wirklichkeit wurde – Interview mit dem Landgut-Stober-Visionär Michael Stober

Das Landgut Stober – Veranstaltungsort des BiolebensmittelCamp 2018. Einst eine Ruine – heute bestes deutsches Tagungshotel und erstes biozertifiziertes Hotel in Brandenburg. Mit Inhaber Michael Stober haben wir uns heute über Visionen, die Geschichte des Landguts und Ideen für das BioCamp in Brandenburg unterhalten.

Du hast in deiner Session beim letzten BiolebensmittelCamp betont, dass sich Nachhaltigkeit IMMER lohnt. Was macht dich hier so zuversichtlich?

Zum einen hat Nachhaltigkeit per se mit ökonomisch sinnvollen Entscheidungen zu tun, das heißt, dass jede ökonomische Entscheidung nach ökologischen und sozialen Kriterien zu treffen ist. Anders gesagt: Sinnvolles Handeln ist immer lohnenswert. Und wenn man sich konsequent nachhaltig verhält, hat das mit Kostenersparnis, mit Ressourceneinsparung und sozialem Nutzen zu tun.

Michael Stober mit seiner Frau Tanja und den 4 Kindern. Foto: Landgut Stober/Darek Gontarski

Michael Stober mit seiner Frau Tanja und den 4 Kindern. Foto: Landgut Stober/Darek Gontarski

Wenn ich ein Beispiel nennen darf? Unsere Holzhackschnitzelheizung im Landgut Stober hat uns € 180.000,- mehr als eine konventionelle Heizung gekostet, erspart uns aber pro Heizperiode € 60.000,-. Ein anderes Beispiel: Unser Sekundärwasserkreislauf von Regenwasser für alle 200 Toilettenanlagen amortisiert sich nach 7 Jahren und spart uns ca. 50% der Frischwasserkosten.

Ein Ausspruch bei deiner Session beim letzten BiolebensmittelCamp war: „Man braucht Visionen, um erfolgreich zu sein.“ Welche Vision hattest du, als du die Ruine des Landguts übernommen hast?

Ich stand da, starrte auf diese ruinöse Müllkippe und das Ding sagte zu mir: „Du machst das!“, und ich Trottel habe hingehört. Und Visionen sind halt nun mal Visionen. Sie sind oft nur energetische Zustände, die jemand hat, und dann trifft auf diesen Zustand eine Information, ein Ereignis. „Big Bang Boom“ eben – passend zu eurem Motto „Big Bang Bio“.

Heute ist das Landgut Stober eine Vorzeige-Veranstaltungslocation mit eigenem Biohotel. Auf welche Leistungen bist du hier besonders stolz?

Am meisten bin ich auf unser, über die Jahre gewachsenes, Team stolz, das hauptsächlich meine Frau Tanja betreut. Und ich bin etwas stolz darauf, dass aus den Ruinen ein so inspirierender Ort voller Geschichte(n) entstanden ist.

Die Geschichte des Landguts wird mit zwei Dauerausstellungen zum 2000-Jahr-Jubiläum und zu den Meetings des Kreisauer Kreises erlebbar gemacht. Unter unserem Hotelneubau fanden die Archäologen tatsächlich germanische Siedlungsreste aus der Zeit 40 Jahre vor bis 30 nach Christus. Auf dem Landgut haben bereits vor 2000 Jahren Menschen gelebt, gearbeitet und auch gewohnt. Diese Magie, die der Geschichte entstammt, kann man auf dem Landgut spüren.

Wir sind sehr stolz, dass 2018 das 2. BiolebensmittelCamp im Landgut Stober stattfindet und du in dieser Sache so engagiert bist. Worauf können sich die Teilnehmer freuen?

Eine professionelle Veranstaltung mit professionellen Teilnehmern, die zu den aktuellen Themen Tacheles reden, und einen Spirit, der noch lange nachwirken wird.

Blick auf den Hof sowie das Landgut Stober mit seiner Backstein-Fassade. Foto: Landgut Stober

Blick auf den Hof sowie das Landgut Stober mit seiner Backstein-Fassade. Foto: Landgut Stober

Die Teilnehmer können sich natürlich auch auf eine tolle Veranstaltungslocation freuen. Insgesamt haben wir 25 verschiedene Tagungs- und Besprechungsräume und jeder ist absolut individuell. Alle Räume werden wir für das Camp nicht benötigen. Wenn gewünscht, zeige ich den Teilnehmern des BiolebensmittelCamps gerne alle Räume bei einer persönlichen Führung.

Die Bioqualität des Essens ist eine Herzensangelegenheit von meiner Frau und mir, nur so konnten wir in den letzten Jahren ein Netzwerk von kleinen Biolieferanten aufbauen.

Wirst du wieder ein Thema einreichen? Wenn ja, hast du schon eine konkrete Idee?

Ja! Es wird sich in diesem Themenvorschlag auch um die gelebte Vision handeln, die so wichtig ist für jedes Unternehmen, das etwas Positives bewegen möchte. Warum ist es z.B. so, dass man, je älter man wird, mehr und mehr Dinge anpacken möchte, die einen tieferen Sinn ergeben? Warum macht man das nicht schon früher? Mein Leben spiegelt diese Sachverhalte sehr deutlich wider, und es geht vielen Menschen so. Diese Gedanken möchte ich mit euch teilen.

Die natürliche Gravitation des Alters gibt Kraft für Sinnvolles.

Zum BiolebensmittelCamp kommen Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Wird es uns gelingen, viele Bio-Macher aus der Region Berlin-Brandenburg zu mobilisieren?

Auf dem Anwesen des Landguts gibt es auch einen eigenen Hofladen. Foto: Hofladen / Darek Gontarski

Auf dem Anwesen des Landguts gibt es auch einen eigenen Hofladen. Foto: Hofladen/Darek Gontarski

Absolut. Mit allen wichtigen Playern laufen die Gespräche zu Beiträgen, u.a. Georg Kaiser von Bio Company, Joachim Weckmann vom Märkischen Landbrot, der Triodos Bank, um nur einige zu nennen.

Vielen Dank für das Interview, Michael Stober, und bis 2018 zum 2. BiolebensmittelCamp!