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Im Gespräch mit Georg Kaiser von der BIO COMPANY: Was steckt hinter dem Berliner Bio-(Super)markt?

Georg Kaiser, der Mitgründer der BIO COMPANY, hält beim BiolebensmittelCamp im März 2018 die Samstags-Keynote. Heute haben wir den Bio-Visionär zum Interview gebeten und ihm einige Fragen zum Spirit der Marke, zur Produkt-Auswahl und zu seiner generellen Bio-Meinung gestellt. Auch für junge Bio-Unternehmen hat er einen Rat.

Georg Kaiser ist Mitgründer, Mitinhaber und Geschäftsführer der BIO COMPANY. Foto: BIO COMPANY

Georg Kaiser ist Mitgründer, Mitinhaber und Geschäftsführer der BIO COMPANY. Foto: BIO COMPANY

Lieber Georg Kaiser, welcher Spirit steckt hinter eurer Bio-Marke? Wie kam es zur Geburt des Unternehmens, das bereits mit über 50 Filialen in Deutschland Fuß gefasst hat?

Unsere Vision war und ist, ein gutes Stück Land in die Stadt zu bringen – und gut heißt 100% BIO und REGIONAL. Heute haben wir diesen Auftrag in vielen Bereichen erfüllt und arbeiten vor allem an Qualität mit allen Aspekten: frisch, authentisch, kompetent, sozial, verlässlich. Bei der Eröffnung unserer ersten Filiale 1999 haben wir noch nicht geglaubt, dass wir einmal täglich ca. 40.000 bis 50.000 Kund*innen haben werden.

Wie sieht der natürliche Leitfaden in eurem Unternehmen denn genau aus, in Bezug auf die Auswahl eurer Produkte?

Die Basis bildet die „100 Prozent bio“-Aussage des BIO-COMPANY-Sortiments. Es darf keinen Konsum geben, der die Basis unserer Ernährung und die Chancen künftiger Generationen gefährdet. Der nächste „Filter“ ist die Nahbeziehung, also die Regionalität. Ein Produkt sollte nicht weiter reisen als notwendig. Wenn die hiesigen Äpfel jedoch aufgegessen sind, dürfen sie aber auch schon aus Argentinien kommen – aber nur, wenn es absolut keine Bio-Äpfel aus Europa gibt. Weiterhin sollen die Produkte aus kleinen und mittelständischen Betrieben stammen.

Wie triffst du die Auswahl, um die Filialen auch mit regionalen Bio-Produkten ausreichend zu versorgen?

Hier in Berlin und Umland geht es, im Gegensatz zu Hamburg oder München, nicht um Auswahl, sondern um Aufbau von Strukturen. Wir, als Händler, waren häufig Initiatoren von Anbau, Verarbeitung oder Verpackung. So lassen wir z.B. in Brandenburg das Bier für die BIO COMPANY – Eigenmarke „Hopp-Bier“ brauen.

"Wir bringen ein Stück Land in die Stadt". Foto: BIO COMPANY

„Wir bringen ein Stück Land in die Stadt“. Foto: BIO COMPANY

Ist bio deiner Ansicht nach ein Luxusgut oder soll bio für jeden leistbar sein? Ist beides vereinbar?

Eigentlich ein Riesenthema für sich. Unsere Kundenbefragungen zeigen jedenfalls, dass die Einkommen unserer Kunden nicht vom Berliner Querschnitt abweichen. Daraus schließen wir, dass Bio-Konsum zuerst eine Frage der Haltung oder des Bewusstseins ist und weniger eine Frage des Geldbeutels.

Was würdest du Jungunternehmern raten, die in der Bio-Branche ihre jungen Pflanzen ziehen?

Genau zu ermitteln, wo es noch Bedarf gibt, und sich mit den Marktakteuren dazu auszutauschen. Danach entscheidet das unternehmerische Geschick, aber Beharrlichkeit braucht’s wie überall. Vor allem die Beharrlichkeit bei der Entwicklung einer regionalen Infrastruktur – also Aufbau von Lieferanten in Brandenburg – sei hier angemerkt.

Wie reagiert man als Bio-(Super)markt auf aktuelle Trends? In den letzten Jahren gab es beispielsweise einen großen Hype um die vegane Küche.

Neueröffnung einer BIO COMPANY-Filiale. Foto: BIO COMPANY

Neueröffnung einer BIO-COMPANY-Filiale. Foto: BIO COMPANY

Bis vor ein, zwei Jahren gab es vegan-vegetarische Lebensmittel fast ausschließlich im Bioladen. Die anderen Lebensmittelgeschäfte sind dem Trend gefolgt. Daher würde ich den Biomarkt, zumindest was die Vergangenheit angeht, durchaus als wesentlichen Trendsetter sehen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Aktuell setzen wir beispielsweise stark auf das Thema. Auch Tests zum Thema Wasserfilter bzw. reines Wasser laufen.

Wir sind natürlich gespannt, worauf du im bevorstehenden BiolebensmittelCamp 2018 in Berlin-Brandenburg als Keynote-Speaker aufmerksam machen möchtest. Kannst du uns dazu schon etwas verraten?

Der Vortrag für Samstag beim BiolebensmittelCamp ist noch in Arbeit. Aber ich möchte den Zuhörern aus der eigenen 18-jährigen Bio-Erfahrung und 35-jährigen Einzelhandelserfahrung zeigen, wie man trotz Verzichts, mit einer klaren Haltung viel erreichen kann.

Vielen Dank, Georg Kaiser! Wir freuen uns schon auf das gemeinsame BiolebensmittelCamp.