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Es gibt immer einen Anfang für das Bessere! Interview mit Joachim Weckmann, Geschäftsführer Märkisches Landbrot

„Die gegenseitige Wahrnehmung und der Wille zum assoziativen Handeln sind ausschlaggebend für fairen Handel“, so Joachim Weckmann, Geschäftsführer der Bäckerei Märkisches Landbrot. Als Local Hero beim BiolebensmittelCamp vertreten, haben wir dem Bio-Vorreiter ein paar Fragen zum Thema Bio-Brot, aber auch zur gesamten Wertschöpfungskette gestellt.

Fertig gebackener Uckermarker-Brotleib. Foto: Märkisches Landbrot

Fertig gebackener Uckermarker Brotleib. Foto: Märkisches Landbrot

Ihr backt bereits seit 1981 ökologisch und seit 1992 in Demeter-Qualität. Was waren damals die Beweggründe für diese Schritte?

Ich würde sagen, es waren politische, ernährungstechnische und ernährungsphilosophische Gründe. Ich selbst bin ein Kind der 68er Studentenbewegung, habe in den 70ern einige Trampreisen in die Türkei, nach Syrien, Afghanistan, Indien und Nepal gemacht. Wichtig war für uns das Streben nach Freiheit (Stichwort Tunix-Bewegung), danach, selbstbestimmt zu leben und lieben und natürlich gesundes, vollwertiges, ökologisches Essen. 1975 bin ich nach Berlin gezogen und war bei den Food Coops aktiv. 1977 habe ich mit Brotgarten die erste Bio-Bäckerei mitgegründet und 1981 kaufte ich schließlich die Lieferbäckerei Märkisches Landbrot. Diese wurde dann natürlich in eine Bio-Bäckerei umgewandelt.

1991 haben wir dann auf Demeter umgestellt. Unser Getreide beziehen wir aus Brandenburg. Wegen der geistigen Ausrichtung passt Demeter gut zu unserer Philosophie. Hier passen nicht nur politische und wirtschaftliche Ideale der Bio-Bauern, es gibt auch eine untrennbar damit verbundene spirituelle Dimension, die die Arbeit mit Pflanzen und Tieren auszeichnet – von den Mondphasen bis zu gemeinsamen Gebeten.

Brot ist Grundnahrungsmittel. Bei der Qualität gibt es aber sehr viele Unterschiede. Was macht für dich gutes Brot aus?

Bei einem guten Brot sind mir der Ernährungswert, die Vollwertigkeit sowie Haltbarkeit und natürlich der Geschmack sehr wichtig. Neben diesen Punkten spielen auch Ganzheitlichkeit in ökologischer und sozialer Hinsicht sowie Regionalität und Fairness für mich eine große Rolle.

Fertige Brote frisch aus dem Ofen. Foto: Märkisches Landbrot

Fertige Brote frisch aus dem Ofen. Foto: Märkisches Landbrot

Wo kann man euer Bio-Brot kaufen?

Märkisches Landbrot ist fast ausschließlich im Fachhandel in Berlin-Brandenburg erhältlich. Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden unsere Bio-Brote in Naturkostfachgeschäften, Reform- oder Kaufhäusern angeboten.

Fairness entlang der Wertschöpfungskette ist euch sehr wichtig. So habt ihr mit den Landwirten langfristige Lieferverträge und Fixpreiszusagen. Wie funktioniert das in der Praxis?

1991 haben Bauern, Handwerker, Händler und Verbraucher den Märkischen Wirtschaftsverbund gegründet. 2006 habe ich daraus die Initiative fair&regional gestartet. Kernstück sind die runden Tische, welche es in unterschiedlichen Konstellationen gibt – Getreide, Milch, Kartoffeln, Gemüse, Groß- und Einzelhandel. Es gibt Partner- und Produktsiegel, die Transparenz versprechen. Die Beteiligten eines Wertschöpfungskreislaufes setzen sich zusammen und sprechen über ihre Wahrnehmung von gegenseitigem Handeln und Fairness. Preise, Mengen, Qualitäten, Planungen und Wettbewerbssituationen werden transparent besprochen.

Am Ende gibt es dann eine anonyme Abstimmung dazu. Ein runder Tisch sieht z.B. so aus: 12 Bauern, 3 Bäcker, 1 Mühle. Wichtig ist uns allen die langfristige Kontinuität. Seit mehr als 25 Jahren beweisen wir, dass das auch in der Praxis sehr gut funktioniert. Also: Regionalität, Transparenz, Solidarität, Verbandsbioware, bevorzugte Abnahme, Preise über dem allgemeinen Marktniveau, Darstellung sozialer und ökologischer Maßnahmen und Entwicklung.

Die Leser finden hier unsere Grundsätze im Märkischen Wirtschaftsverbund.

Beim Backen ist das Ruhen des Brot-Teiges sehr wichtig. Foto: Märkisches Landbrot

Beim Backen ist das Ruhen des Brotteigs sehr wichtig. Foto: Märkisches Landbrot

Joachim, du erzählst beim BiolebensmittelCamp im Rahmen der „Local Heroes – Impulse aus Berlin-Brandenburg“, wie fairer Handel geht. Kannst du uns jetzt schon einen Punkt nennen, der für fairen Handel entscheidend ist, aber den die wenigsten überhaupt wissen?

Die gegenseitige Wahrnehmung und der Wille zum assoziativen Handeln sind ausschlaggebend. Assoziation ist ein Begriff, den auch Rudolf Steiner benutzt. Er kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „verbinden, vernetzen“. In der Alternativ- und Biobewegung haben wir immer integral, brüderlich, vernetzt gedacht. Diese Netzwerkbildung und Solidarisierung haben uns erfolgreich und groß gemacht.

Gemeinsam sind wir stark! oder „Leut’, halt’s zsamm!“

Also immer in Netzwerkstrukturen denken und handeln. Den eigenen kleinen Vorteil gegen das Gemeinsame zurückstellen. Gegen die kleinbürgerliche Isolierung des Großkapitals – basisdemokratisch! Konkrete Verbindlichkeiten entlang des gesamten Wertschöpfungskreislaufs festlegen. Transparent bleiben und die Bilanz an der Gemeinwohlökonomie sowie EMAS-Ökobilanz-orientiert.

Joachim Weckmann, Geschäftsführer Bäckerei Märkisches Landbrot. Foto: Märkisches Landbrot

Joachim Weckmann, Geschäftsführer Bäckerei Märkisches Landbrot. Foto: Märkisches Landbrot

Zum Abschluss noch die Frage aller Fragen: Welches Brot isst du am liebsten?

Mein Favorit ist unser Früchtebrot, 50 Prozent Dinkelvollkorn und 50 Prozent eingeweichte Früchte und Nüsse.

Vielen Dank, Joachim Weckmann, dass du deine Erfahrung mit uns teilst. Wir freuen uns auf ein gemeinsames, assoziatives BiolebensmittelCamp!