BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Biolebensmittel und Naturkost

Wertvoller Austausch auf neutralem Boden. Das war das 2. BiolebensmittelCamp in Berlin-Brandenburg

Vergangenes Wochenende fand im geschichtsträchtigen Landgut Stober in Berlin-Brandenburg nahe Berlin das BiolebensmittelCamp 2018 statt. Unter dem Motto #BigBangBio trafen sich 120 Fachteilnehmer aus der Bio-Branche, um sich in inspirierender Atmosphäre zu drängenden Themen offen auszutauschen. Hier ein kleiner Einblick in eine unglaubliche Vielfalt und Leidenschaft, die die Bio-Branche so besonders macht.

Gruppenfoto beim BiolebensmittelCamp 2018 im Landgut Stober. Foto: BiolebensmittelCamp / Jasmin Walter Photography

Gruppenfoto beim BiolebensmittelCamp 2018 im Landgut Stober. Foto: BiolebensmittelCamp/Jasmin Walter Photography

Wertvoller Austausch und hohe Qualität in den Sessions

Ja, das BiolebensmittelCamp 2018 war schon recht intensiv. Mit den Gedanken und Ideen, die in den Sessions diskutiert wurden, könnte man wohl ein ganzes Buch füllen. Hier ein paar Statements, die ich in den Sessions aufgeschnappt habe und für wichtig empfinde – natürlich ganz subjektiv und unvollständig.

  • „Wahre Preise“ von Katharina Reuter (Unternehmensgrün): Es gibt viele Gründe, warum Produktpreise nicht die Wahrheit sagen, aber es gibt auch wirkungsvolle Hebel, um wahre Preis durchzusetzen – wie Allianzen, Transparenz einklagen oder in der Steuerpolitik.
  • „Wertvoll kommunizieren“ von Till Deininger (Bioland): Es gibt universelle Werte, die wir gemeinsam kommunizieren können. Mithilfe von Storytelling kann auf verschiedenen Kanälen Begeisterung gezeigt und (vor)gelebt werden. Damit wird Resonanz erzielt, aber auch Misstrauen beseitigt.
  • „Landleben“ von Matthias Neske (Chez Matze): Stadt vs. Land ist eine sehr subjektive Wahrnehmung. Der eine hat das Gefühl von Engstirnigkeit, der andere empfindet die Gemeinschaft auf dem Land als lebendiger.
  • „Boom Boom Bio für alle“, Jan Niessen (Bioland): Wir dürfen nicht nur den Endverbraucher als Kunden sehen, sondern auch die öffentliche Beschaffung (Großküchen), aber auch die Hotellerie und Gastronomie – viel Potenzial! Wir müssen bewegen und begeistern, erzwingen können wir nichts.
  • „Free Bio“, Hassaan Hakim (Yool) & Claudia Bschor (Sonnentor): Fachhandel muss sich selber helfen und darf nicht auf Markenhilfe warten. Möglichkeiten sind neue Nischen, eigene Produkte und mehr Ereignisse, um eine emotionale Bindung mit den Kunden zu schaffen.
Rege Diskussionen in den Sessions. Foto: BiolebensmittelCamp / Jasmin Walter Photography

Rege Diskussionen in den Sessions. Foto: BiolebensmittelCamp/Jasmin Walter Photography

Alle von den Teilnehmern gewählten Sessions findet ihr hier, insgesamt wurden diese 28 Themen eingereicht. Für alle Teilnehmer, die live dabei waren – dieser Link führt zu den gemeinsam erarbeiteten Mindmaps mit allen Ergebnissen. Das Passwort erhaltet ihr per E-Mail.

Wir werden in weiterer Folge noch einmal alle Session-Leiter zu einem Fachartikel oder Interview für unseren BiolebensmittelCamp-Blog einladen.

Kontroverse Impulse, die Mut machen

Dieses Jahr hatten wir beim BiolebensmittelCamp auch ein paar fixe Programmpunkte als Impulse im Veranstaltungsplan. So konnten wir den Filmemacher und Regisseur Bertram Verhaag gewinnen, die Eröffnungskeynote zu halten. Anhand ausgewählter Filmausschnitte (Werk insgesamt 120 Produktionen) führte er uns in seine Themenwelten Ökologische Landwirtschaft und Soziale Verantwortung ein. Angetrieben wurde er damals vom sogenannten Terminator-Saatgut, welches, aus rein wirtschaftlichen Interessen, nur einmal keimen kann, um die Bauern zu zwingen, immer wieder zu kaufen – ein gefährliches Spiel mit der Natur mit ungewissem Ausgang.

Bauer sein ist ein Bekenntnis zur Mutter Erde

Keynote Georg Kaiser zum Thema „Handeln mit Haltung“. Foto: BiolebensmittelCamp / Jasmin Walter Photography

Keynote Georg Kaiser zum Thema „Handeln mit Haltung“. Foto: BiolebensmittelCamp/Jasmin Walter Photography

Georg Kaiser, Mitgründer, Mitinhaber und Geschäftsführer der BIO COMPANY, gab in seiner Samstags-Keynote einen sehr aufschlussreichen Einblick, wie man mit Haltung und auch bewusstem Verzicht (Ausschluss von nicht-bio, kritischen Waren nicht landwirtschaftlichen Ursprungs, künstlichen Aromen und Konservierungsstoffen, Gentechnik) einen nachhaltigen Bio-Supermarkt aufbaut.

Jörg Thiele bei der Vorbereitung der "Genuss-Löffel". Foto: BiolebensmittelCamp / Jasmin Walter Photography

Jörg Thiele bei der Vorbereitung der „Genuss-Löffel“. Foto: BiolebensmittelCamp/ Jasmin Walter Photography

Joachim Weckmann, Geschäftsführer, Demeter Bäckerei Märkisches Landbrot, zeigte in seinem Local-Hero-Impuls am Sonntagvormittag, dass Bio heißt, nicht immer einer Meinung zu sein – aber miteinander reden immer möglich sein muss. Runde Tische sind dafür eine gute Möglichkeit. Joachim sieht sich selbst heute als „Szene-Opa“, der gerne seine Werte an die Jungen weitergibt, dabei hilft nur eines: Vorbild sein!

Jörg Thiele, Gastgeber und Koch im Bio-Hotel Kolonieschänke, lud die Teilnehmer seines Local-Hero-Impulses ein, Löffel zu verkosten. Der The-Taste-Finalist 2016 zeigte darüber hinaus, worauf es ankommt, ein Bio-Hotel zu führen. Manchmal ist es notwendig, seinen eigenen Acker zu bestellen und bei der Karte einfach auszuprobieren.

Gedankenkopfstand, Improtheater und Abtanzen

Ja, die „Bios“ können diskutieren und verteidigen ihre Werte und Ansichten – fachlich, rational und mit jeder Menge Herzblut. Aber „Bios“ können auch feiern. So wurde bei der Big-Bang-Bio-Party am Samstag bis nach drei Uhr abgetanzt. Und „Bios“ können auch über sich selbst lachen, was der Gedankenkopfstand in der Session von Henrike Rieken, HNE Eberswalde, Christian Eichert, Bioland, & Manuel Pick, Bohlsener Mühle, mit der Aufforderung zum „Bio-Bashing“ beweist. Die Gewinnerheadline: „Staub im Mund, aber g’sund“.

Hochgelobt wurde von den Teilnehmern auch das Improtheater Theatersport Berlin, das die Bio-Branche auf eine lustige und ironische Reise durch die Bio-Welt mitgenommen hat. Stichworte dazu kamen von den Teilnehmern. Hier ein kleiner Film zum Thema „Fachhandels(un)treue“ (Danke fürs Mitfilmen Karin Heinze):

Meine persönliche Camp-Bilanz

Es ist nicht einfach, die vielen Eindrücke des BiolebensmittelCamp 2018 zu fassen. Aber ich werde es versuchen:

  • Fast 40 Prozent mehr Teilnehmer als beim ersten Mal in einer extrem genialen Location.
  • Super Stimmung, viele tolle, leidenschaftliche Menschen, die für eine gute Sache eintreten.
  • Hohe Qualität in den Sessions und sehr offene Diskussion, große Bereitschaft, auch herausfordernde Themen anzugehen.
  • Tolles, sehr engagiertes Team – vom Mindmapper bis zum Kernteam!
  • Manchmal würde ich mir noch etwas mehr Offenheit wünschen. Nicht jeder ist gleich weit vorne beim Bio-Weg. Manche brauchen noch etwas Zeit, sich ganz zu finden (Unterstützung statt erhobenem Zeigefinger).
  • Ich wünsche mir, dass im nächsten Jahr nicht nur mehr Landwirte dabei sind, sondern auch der Fachhandel. Denn, wie wir beim Camp gesehen haben, wird der Wind rauer. Ein Event wie das BiolebensmittelCamp bietet viele Möglichkeiten, engagierte Marken kennenzulernen und den direkten Austausch zu suchen. Außerdem bekommt man jede Menge konkrete Ideen serviert.
  • Danke auch für die vielen wertvollen Gespräche, die sich nicht „nur“ um Bio-Lebensmittel, sondern auch um Philosophie, Spiritualität und alltägliche Werte-Entscheidungen gedreht haben.
  • Danke auch an unsere Partner, die an diese Idee des offenen, grenzüberschreitenden Gedankenaustauschs glauben!
Ein kulinarisches Bio-Buffet darf beim BioCamp natürlich nicht fehlen. Foto: BiolebensmittelCamp / Jasmin Walter Photography

Ein kulinarisches Bio-Buffet darf beim BioCamp natürlich nicht fehlen. Foto: BiolebensmittelCamp/Jasmin Walter Photography

BiolebensmittelCamp 2019?

Unser Ziel ist es, eine offene Bühne für den Austausch zu bieten, Diskussionen zu fördern, Menschen zusammen zu bringen und Impulse zu setzen. Ich finde, das ist uns gut gelungen beim 2. BiolebensmittelCamp.

Wir nehmen natürlich auch das Feedback von euch sehr ernst. So braucht das Camp mehr Landwirte. Und wir werden auch beim Modus noch etwas feilen und überlegen, ob wir Details verbessern können. Danke für das insgesamt sehr, sehr positive Feedback und die tolle Bestätigung.

Video zum BiolebensmittelCamp 2018

Und nun? Wie geht es weiter? Unser Motto lautete ja „Big Bang Bio“. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es verpufft mit einem großen Knall – Vorhang zu, aus und vorbei. Oder wir sehen den „Big Bang“ als Anstoß. Gerne entscheiden wir uns für die zweite Möglichkeit:

2019: Also ja, ein großes JA! Wir brauchen aber auch eure Hilfe!

Einen Termin haben wir bereits ins Auge gefasst. Also tragt euch diesen gerne schon im Kalender ein. Wir begeben uns nun auf Location-Suche und freuen uns natürlich auch über jede Idee von euch.

Bis spätestens 15.–17. März 2019 (voraussichtlich)!