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Kochlust pur! So geht kulinarisches Storytelling heute

Wie kann man kulinarisches Storytelling in die Tat umsetzen? Dieses Thema haben sich die BIO HOTELS und Journalist & Fotograf Jürgen Schmücking in dem Kochbuch „Kochlust PUR III“ zu Herzen genommen. Im Interview verraten Projektleiterin Daniela Senn und Jürgen, welche gewisse Zutaten hierzu nötig sind.

Kochlust PUR III – Kulinarisches Storytelling. Foto: be-oh Marketing

Kochlust PUR III – Kulinarisches Storytelling. Foto: be-oh Marketing

Zuallererst einmal, wie seid ihr als BIO-HOTELS-Gruppe auf die Idee gekommen, das Kochbuch „Kochlust PUR“ zu verfassen?

Zum Ersten ist es nicht der erste Wurf. Vor genau zehn Jahren haben die BIO HOTELS „Kochlust PUR I“ veröffentlicht. Darauf folgte auch schon „Kochlust PUR II“, dann waren erst einmal ein paar Jahre Ruhe. Jetzt war die Zeit wieder reif – neue Mitglieder, neue Köche, neue Gerichte und neue Ideen. Außerdem haben die Gäste danach gefragt. Das Blättern in den Rezepten bringt den Gästen ihre Lieblings-Bio-Hotels nach Hause.

Euer Anspruch ist es, mit eurem Kochbuch Geschichten zu erzählen. Welche Zutaten braucht es dafür?

Vor allem Menschen – in diesem Fall die Bio-Hoteliers –, die mit Leidenschaft diese Geschichten gerne erzählen. Kreative Ideen (bei den Köchinnen und Köchen), spannende Partner, sprich Landwirte und Produzenten, und Bilder, die im Kopf hängen bleiben und dort unterschiedliche Dinge anrichten. Zum Nachdenken anregen, in Fernweh schwelgen, Kochlust spüren.

Der Aufwand war groß. Bei 27 Bio-Hotels – von der Nordsee bis nach Griechenland – hast du, Jürgen, in die Küchen geschaut. Was war das für eine Erfahrung?

Eine ganz großartige Erfahrung war das. Von den Entfernungen vielleicht abgesehen, aber jeder Kilometer hat sich ausgezahlt. Die Mani in Griechenland, damit haben wir begonnen, ist eine der schönsten wilden Landschaften Europas, Sonnenlink ein fast magischer Ort. Ich bin ein eingefleischter Griechenland-Fan. Damit war der Auftakt mehr als gelungen.

Der letzte Betrieb lag mehr oder weniger diametral gegenüber, an der Nordsee. Freier Blick in die Arktis – wäre Norwegen da nicht im Weg. Im Ernst, der Aufenthalt in Juist war kurz, aber jede Minute ein Erlebnis. Dazwischen lagen Betriebe in Österreich, Südtirol und Slowenien – alles tolle Häuser und jeder Besuch eine Geschichte für sich. Nachzulesen im Buch Kochlust PUR III – Sinn und Sinnlichkeit.

Jürgen Schmücking auf Entdeckungsreise durch die BIO HOTELS-Küchen. Foto: Reinhard Gessl

Jürgen Schmücking auf Entdeckungsreise durch die BIO-HOTELS-Küchen. Foto: Reinhard Gessl

Gibt es eine Story zu einem Gericht, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Klar. Die Rehleber vom Gerbehof wird mir lange in Erinnerung bleiben. Bruno, der Hotelier, ist leidenschaftlicher Jäger. Sein Revier beginnt nur wenige Schritte hinterm Haus. Ich wollte zum Rezept eine lückenlose „Forest to Plate“-Geschichte haben. Also waren wir früh im Revier. Bruno mit der Flinte, ich mit dem Tele. Es hat gedauert, aber schließlich hatte Bruno das Reh vorm Lauf. Ich habe dann zwei Stunden lang jeden Schritt dokumentiert, bis die frische Leber auf dem Teller war. Die Diskussion, welche Bilder letztlich im Buch verwendet wurden, war eine lange, eine sehr lange.

Stichwort: Bio-Foodstyling: Wie setzt man ein Bio-Gericht am besten und auch authentisch in Szene?

Es war gleich zu Beginn, praktisch beim ersten Treffen der Projektverantwortlichen, klar, dass wir eine gleiche (oder zumindest sehr ähnliche) Vorstellung der Bildsprache haben, mit der wir arbeiten wollen. Dazu gehören Bilder ohne Geschmacksverstärker. Also ohne den klassischen Methoden, die modernes Foodstyling bietet. Kein künstlicher Rauch, kein künstliches Eis, keine Oberflächenbehandlung.

Fotografiert wird, was aus der Küche geschickt wird.

Es gibt – zugegeben – grandiose Kochbücher mit atemberaubenden Bildern. Diese Bücher sind zwar wunderschön, spiegeln aber die Realität in der Küche, auf dem Tisch und auf dem Teller nur sehr eingeschränkt wider. Wir wollten Bilder, die wie „aus der Hüfte geschossen“ wirken.

Wie lange hat es letztendlich von der Ideenfindung bis hin zum frisch gedruckten Exemplar gedauert und welche Hürden gab es zu überwinden?

Projektleiterin Daniela Senn Foto: Sylvia M. Huber

Projektleiterin Daniela Senn Foto: Sylvia M. Huber

Vom ersten Telefonat bis zur Auslieferung der Bücher ist ein Dreivierteljahr vergangen. Das ist eine Spur länger als geplant. Wir wollten eigentlich im Februar mit dem Buch präsent sein, aber es kamen am Ende immer noch Betriebe dazu, die dabei sein wollten, darum hat sich der Termin der Erscheinung ein bisschen nach hinten verzögert. Dafür war dann die Präsentation des Buches im BIO HOTEL Sonnenhausen umso schöner und von tollen Gästen begleitet.

Vielen Dank, Daniela Senn & Jürgen Schmücking, für die Einblicke in die spannende Entstehung eures Kochbuches.