BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Biolebensmittel und Naturkost

Mitarbeiter werden Ackerhelden! So funktioniert grüne Mitarbeiterbindung. Interview mit Manuel Pick, Geschäftsführer der Bohlsener Mühle

Auf der Suche nach einem Angebot, um die Gemeinschaft der Mitarbeiter zu stärken und ihnen den Unternehmenszweck näher zu bringen, ist Manuel Pick, Geschäftsführer der Bohlsener Mühle, auf das Konzept der Ackerhelden gestoßen. Was es mit diesem Konzept auf sich hat und welcher Mehrwert sich den Mitarbeitern dadurch bietet, verrät uns Manuel im Interview.

Mitarbeiter*innen der Bohlsener Mühle auf ihrem Bio-Acker. Foto: Bohlsener Mühle

Mitarbeiter*innen der Bohlsener Mühle auf ihrem Bio-Acker. Foto: Bohlsener Mühle

Seit Mitte Mai bauen die Mitarbeiter auf dem Firmengelände der Bohlsener Mühle, in Zusammenarbeit mit dem Bio-Startup Ackerhelden, Bio-Gemüse an. Aus welchem Grund und wie ist es zu dieser Kooperation gekommen?

Wir arbeiten mit unseren 250 Mitarbeiter*innen genau da, wo unsere Lebensmittel angebaut werden: Im ländlichen Raum. Das Firmengelände der Bohlsener Mühle ist umringt von Feldern (leider nicht alles Bio). Für unsere Zukunftspläne haben wir bereits vor einigen Jahren anliegende Flächen gekauft, auf diesen in der Zwischennutzung bisher Bienen- und Biodiversitätsfördernde Blühmischungen ausgesät wurden. Gleichzeitig waren wir auf der Suche nach einem Angebot für unsere Mitarbeitenden, das einerseits das Gemeinschaftsgefühl stärkt und dabei in Verbindung mit unserem Unternehmenszweck steht: der Förderung der biologischen Landwirtschaft.

Der Bio-Gemüseacker hält jetzt noch viel mehr als „nur“ gesundes Gemüse für unsere Mitarbeiter bereit, trägt sogar nachweislich Früchte in ihrem privaten Alltag und rückt auch Themen wie Bewegung an der frischen Luft und Entspannung in der freien Natur in den Vordergrund. Das verdanken wir dem Konzept der Ackerhelden.

Wer sind die „Ackerhelden“ und wie funktioniert deren Idee genau?

Die Ackerhelden bieten seit 2013 bundesweit und seit 2017 auch in Österreich biozertifizierte Bio-Gemüsegärten nach den Anbauverbandsrichtlinien von Bioland an. Manche Unternehmen nutzen dies innerhalb ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements. Bei uns wurden Anfang Mai die jeweils 40 qm großen Bio-Gärten gemeinsam von den Ackerhelden und einigen unserer Mitarbeiter*innen mit 150 Bio-Jungpflanzen bepflanzt.

Wir stellen Gießwasser und Gartengeräte zur Verfügung und die Ackerhelden stehen für Fragen jederzeit zur Verfügung. Außerdem werden unsere Gärtner*innen auch mit einem regelmäßigen Newsletter und den Heldeninfos, einer handfesten „Gebrauchsanweisung“ für den Bio-Gemüsegarten, unterstützt. So kommen alle in den Genuss, über sechs Monate lang erntefrisches und saisonales Biogemüse aus dem eigenen Gemüsegarten ernten und essen zu können.

Die erste Ernte aus dem eigens bewirtschaftetem Bio-Acker. Foto: Bohlsener Mühle

Die erste Ernte aus dem eigens bewirtschaftetem Bio-Acker. Foto: Bohlsener Mühle

Wie kommt das Projekt bei den 250 Mitarbeitern an, beteiligen sich hier alle? Und was ist dein Resümee als Geschäftsführer bis jetzt?

Es ist großartig zu sehen, wie begeistert und kreativ die Idee aufgenommen worden ist. Insgesamt sind es jetzt fast 20 Gärten, die teilweise alleine, teilweise aber auch von ganzen Abteilungen gemeinsam beackert werden. Selbst mein Geschäftsführungskollege Volker Krause steht regelmäßig in der Mittagspause auf dem Acker und unterstützt die Köchinnen unserer Bio-Kantine in ihrem Gemüsegarten. Dieser liefert den Sommer über einen Teil unseres Bio-Mittagessens.

Siehst du dieses Konzept auch als Chance für Unternehmen aus anderen Branchen, um zum „Bio-Umdenken“ anzuregen?

Ich bin davon überzeugt, dass es kaum ein besseres Konzept gibt, Mitarbeiter*innen den Wert von guten und gesunden Lebensmitteln näherzubringen und gleichzeitig ein Angebot zur Gesundheitsvorsorge für Büro-Menschen zu schaffen. Auch der Austausch über Anbaumethoden sowie Zustand der Pflanzen, wie häufig gegossen oder wann geerntet werden sollte, schafft ein großes Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Belegschaft und somit eine ganz selbstverständliche Nähe zu den Lebensmitteln.

Außerdem glaube ich fest daran, wenn Menschen in Verbindung mit ihren Lebensmitteln kommen, das fast immer ein ziemlich wichtiger Faktor ist, der zum Umdenken führt.

Die Bohlsener Mühle ist einer der bekanntesten Hersteller der Naturkostbranche. Entstehen durch dieses Projekt eventuell auch Ideen für neue Produkte, Weiterentwicklungen, etc.?

Ob neue Produkte daraus direkt entstehen, weiß ich noch nicht. Ich glaube aber, dass der Garten einen Raum während des Arbeitstags bietet, an dem Gedanken und Kreativität freien Lauf gelassen werden kann.

Und wo frei und kreativ gedacht wird, entstehen Innovationen, neue Produkte und Weiterentwicklung ganz allgemein.

Einiges an selbstgeerntetem Gemüse landet auch in der Bio-Kantine der Bohlsener Mühle. Foto: Bohlsener Mühle

Einiges an selbstgeerntetem Gemüse landet auch in der Bio-Kantine der Bohlsener Mühle. Foto: Bohlsener Mühle

Noch eine letzte Frage: Was habt ihr zuletzt geerntet und kocht ihr damit dann auch gemeinsam?

Gerade sind fast täglich Zucchini reif. Werden die nicht sofort geerntet, werden sie zum Teil 80 cm groß. Daher sind sie gerade besonders Thema. Daneben gibt’s aktuell Rote Beete, den letzten Kohlrabi, Kopfsalat, Kräuter und nun auch schon die ersten Kürbisse. Bald können wir dann auch die ersten Kartoffeln ernten.

All dieses Gemüse finden wir zurzeit auch in unserem Mittagessen in der Kantine wieder. Das ist jeden Tag aufs Neue eine echte Freude. Und selbst großgezogenes und geerntetes Gemüse schmeckt immer noch am besten!

Vielen Dank, Manuel Pick, für die Einblicke in eure Umsetzung dieses tollen Projekts. Wir wünschen euch weiterhin eine gute Ernte!