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Fleisch ist der Kaviar der Zukunft! Interview mit Bio-Bauer und Labonca-Gründer Norbert Hackl

Der Labonca-Hof ist einer der bekanntesten Biohöfe in Österreich. Gründer Norbert Hackl hat sich schon früh mit der Umstellung auf bedürfnisgerechte Tierhaltung auseinandergesetzt. Was eine solche Umstellung für einen Hof und seine Beteiligten bedeutet und welche Herausforderungen diese birgt, das erzählte uns Norbert im Interview. Ein paar Einblicke in sein Buch „Dürfen Schweine glücklich sein?“, das übrigens seit zwei Tagen erhältlich ist, gibt es on top.

Der Labonca-Hof ist einer der bekanntesten Biohöfe in Österreich. Interview mit Bio-Bauer und Labonca-Gründer Norbert Hackl. Foto: Labonca

Der Labonca-Hof ist einer der bekanntesten Biohöfe in Österreich. Interview mit Bio-Bauer und Labonca-Gründer Norbert Hackl. Foto: Labonca

Der Labonca-Hof ist einer der bekanntesten Biohöfe in Österreich. Was ist das besondere bei euch oder was macht ihr anders als andere Biohöfe?

Es ist wohl eine andere Sichtweise auf das Thema „Fleisch“, die wir auf Labonca pflegen. Fleisch zu essen ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Luxus.

Für mich ist Fleisch der „Kaviar der Zukunft“.

Diesen gönnen wir uns aber gerne, weil es uns schmeckt und uns auch gut tut. Fleisch zu essen ist nichts verwerfliches, es ist jedoch sehr wohl verwerflich, unreflektiert Fleisch zu essen.

Daher haben wir begonnen, unseren Schweinen zuerst einmal ein Leben zu geben, ohne Angst und Stress. Ein Leben, wo sie ihre Bedürfnisse, die ihnen die Schöpfung bzw. Natur mitgegeben hat, ausleben können. Somit sollte gewährleistet sein, dass sie zumindest eine Form von Zufriedenheit verspüren. Ob es auch Glücksgefühle sind, kann ich so nicht sagen. Aber Zufriedenheit für das Tier ist schon mal ganz ok für mich.

Beim Projekt „Sonnenschweine“ sind die Tiere ganzjährig auf 300.000m² Freiland. Wie war die gänzliche Umstellung der Schweinehaltung zu meistern und auf was war besonders zu achten?

Beim Projekt „Sonnenschweine“ sind die Tiere ganzjährig auf 300.000m² Freiland. Foto: Labonca

Beim Projekt „Sonnenschweine“ sind die Tiere ganzjährig auf 300.000m² Freiland. Foto: Labonca

Eigentlich war es ein gänzlich neuer Weg in der Schweinehaltung. Zucht und Mast im Freiland war wirtschaftlich nicht möglich. Daher musste ich das Wirtschaftliche mal ausblenden und mich nur auf die Tiere und deren Wohl konzentrieren. Die Wirtschaftlichkeit musste ich nachträglich – aber ohne Kompromisslösungen – einbinden. Mit dem entsprechend hohen Preis für dieses Produkt – dem wahren Preis für Fleisch.

Natürlich gab es immer wieder Probleme in der Haltung und Zucht. Aber aus diesen Problemen haben wir gelernt und uns weiter entwickelt.

Auf eurer Website steht: acht „Säulen“ machen euren Erfolg aus. Kannst du uns hier etwas mehr darüber erzählen?

Wie in der ersten Frage schon geschildert, haben wir uns zu allererst um die Zufriedenheit der Schweine gekümmert. Dann begann aber erst der „Kreislauf“, den wir auf Labonca nun geschlossen haben.

Denn die Tiere gut und bedürfnisgerecht zu halten ist das eine. Aber auch bei der Schlachtung wollten wir keinen Kompromiss eingehen. Schlachten ist für mich etwas, das mich mein ganzes Leben schon begleitet. Daher kenne ich alle Feinheiten und Schwierigkeiten und weiß, was es braucht, damit das Tier ohne Angst einfach umfällt. Nur so ist es für mich akzeptabel. Aber da sind wir in der Realität – sowohl konventionell als auch bio – meilenweit entfernt.

Daher habe ich mir etwas einfallen lassen, um den Gesetzen zu entsprechen und habe unser Weideschlachthaus-Konzept umgesetzt.

Und dann kam Schritt Nr. 3 in diesem Kreislauf. Wenn wir nun schon ein sehr sehr wertvolles Fleisch mit bester Haltung und wirklich angstfreier Schlachtung haben, dann muss ich doch auch darauf achten, diesen Wert des Fleisches nicht durch eine industrielle Verarbeitung bzw. durch künstliche Zusätze wieder zu zerstören. Wir haben also die Labonca-Solo-Linie geschaffen, in der wir Spezialitäten von höchster Qualität rein nur aus Fleisch, Speck, Salz und Gewürzen herstellen. Kein Nitrit, kein Phosphat, kein Citrat, kein Extrakt, kein Glutamat, kein Hefeextrakt, kein Aroma usw.

Produkte der Labonca-Solo-Linie. Foto: Labonca/by Roland Wehap

Produkte der Labonca-Solo-Linie. Foto: Labonca/by Roland Wehap

Und hier die 8 Säulen, die Labonca ausmachen:

  1. der Hof – die Familie,
  2. die Sonnenschweine,
  3. die Bergschecken-Rinder (die älteste Rinderrasse Österreichs, auch die Seltenste),
  4. das Weideschlachthaus mit der eigenen Fleischerei,
  5. das Verkaufslokal mit der Transparenz für den Kunden-Tourismus,
  6. der Webshop – Versand von gekühlten Frischeprodukten in ganz Österreich,
  7. das Gastronomie-Konzept „Mein Sonnenschwein“ verpflichtet unsere Gastropartner eine ganzheitliche „nose-to-tail“-Abnahme und
  8. die alternative Finanzierung – z.B. über Genußscheine wurde das Weideschlachthaus finanziert.

Im September 2018 erscheint ein Buch über den Biohof und dessen Hintergründe. Was möchtet ihr den Lesern unbedingt mit auf den Weg geben?

Im Rahmen der Kunden-Gespräche auf unserem Betrieb habe ich immer die Geschichten hinter Labonca erzählt: wie alles begann, welche Stolpersteine es gab und unsere Ansichten und Werte. Das hat schon mal recht lange gedauert und immer wieder merkte ich, dass die Menschen vor lauter Staunen nicht müde wurden, mir zuzuhören. Und immer wieder wurde ich angestupst, dieses Wissen und diese Geschichten hinter Labonca niederzuschreiben.

Wir nahmen unser 10-jähriges Jubiläum als Anlass und widmeten viele Stunden unserem neuen Projekt, unserem Buch „Dürfen Schweine glücklich sein?“. Darin erzählen wir alles über uns, unsere Werte, geben Wissenswertes weiter und blicken auch in die Zukunft. Auch hat meine Frau Ulrike einige Tipps für die Küche mit Labonca-Fleisch preis gegeben und in Form von Rezepten in das Buch eingebracht.

Sehr interessant sind auch die Vergleiche, die wir in den Bereichen „Schweinehaltung“ und „Lebensmittelzusatzstoffe in Verarbeitungsprodukten“ mit der „normalen“ Landwirtschaft bzw. Metzgereiwirtschaft angestellt haben. So konnten wir auf diesem, immerhin 212 Seiten umfassenden, Wege die Fülle und Komplexität unserer Themen näher bringen. Das Buch ist seit 24. September im Buchhandel erhältlich, in Deutschland über den Online-Buchhandel und natürlich auf unserer Website www.labonca.at.

Eine etwas heikle Frage: die Gebäude, wie das Weideschlachthaus, und die ganzen Projekte kosten ja auch eine Menge Geld. Könnt ihr das alles aus eigener Kasse finanzieren oder wie geht ihr hier vor?

Im Hintergrund das Weideschlachthaus. Foto: Labonca

Im Hintergrund das Weideschlachthaus. Foto: Labonca

Nein, das geht leider nicht, dass wir das aus eigener Kasse finanzieren. Das ist etwas, das ich auch immer sagen muss: wir sind immer ein kleiner, einfacher Bauernhof gewesen, haben keine Millionen aus anderen Betriebszweigen, mit denen wir unseren Bauernhof finanzieren. Wir sind Vollerwerbsbauern und müssen unser Leben und das unserer Mitarbeiter*innen aus den Einnahmen des Betriebes finanzieren. Das ist ein großer Unterschied!

Außerdem stößt man bei Banken nicht immer auf Verständnis, wenn man einen so „anderen“ Weg geht. Daher haben wir uns auch Alternativen überlegt und mit den Labonca Genußscheinen auch tatsächlich etwas auf die Beine gestellt, das schon bemerkenswert ist. Denn immerhin konnten wir den Großteil unseres 600.000 Euro teuren Weideschlachthauses so finanzieren!

Tierwohl wäre bestimmt ein wichtiges Thema für das BiolebensmittelCamp 2019. Was meinst du? Wirst du als Teilnehmer wieder mit dabei sein und vielleicht sogar ein Thema einreichen?

Tierwohl ist ein brennendes Thema, aber das Wort „Tierwohl“ ist schon sehr vergriffen und wirkt für mich leider schon negativ. Denn so ziemlich jede konventionelle Marke brüstet sich mit diesem Begriff und die Konsument*innen kennen sich in dieser Fülle an Tierwohl-Begriffen nicht mehr aus.

Auch dazu haben wir in unserem Buch eine Auflistung gemacht und vergleichen, wie die einzelnen Marken diese Tierwohl-Bezeichnung auslegen. Sofern es mein Betrieb erlaubt, bin ich natürlich auch beim BiolebensmittelCamp 2019 wieder dabei!

Der Labonca-Biohof betreibt auch einen eigenen Onlineshop. Wie klappt hier der Frischeversand?

Gründer und Bio-Bauer Norbert Hackl. Foto: Labonca/Jürgen Radspieler

Gründer und Bio-Bauer Norbert Hackl. Foto: Labonca/Jürgen Radspieler

Es war im Jahr 2014, als ich die direkte Zustellung unserer Fleischpakete an den Endkonsumenten gestoppt habe. Es war weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll, für wenige Euros so viele Kilometer mit dem Zustellauto zu fahren.

Daher überlegte ich mir schon damals, wie denn die Zukunft des Einkaufens aussehen wird? Und da war der Onlinehandel natürlich an erster Stelle. Aber, wie konnte ich gekühlte Ware mit der Post versenden? Ich suchte und ich fand auch Lösungen, die bestens funktionieren. Mittels Mehrweg-Isolierboxen und einem Rücksendesystem können wir unsere Kund*innen in Österreich auch mit Frischfleisch versorgen und unsere vielen Kund*innen in Deutschland mit Verarbeitungsprodukten.

Basis ist natürlich unser Onlineshop, der eine problemslose und bequeme Bestellung aber auch Bezahlung ermöglicht. Wir machen mit dem Onlineshop bereits über 20 % unseres Umsatzes! 2014 hat sich niemand gedacht, dass sich jemand seinen „Schweinsbraten“ mit der Post zusenden lässt. Heute ist es ganz normal und unser „täglich Brot“.

Vielen Dank, Norbert Hackl, für deine Offenheit. Weiterhin gutes Gelingen auf dem Labonca-Biohof!