BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Biolebensmittel und Naturkost

Was macht Kommunikation wertvoll? Till Deininger von Bioland im Interview

Die Bio-Branche ist geprägt von Werten. Doch wie sieht es mit der wertvollen Kommunikation aus? Wir haben mit Till Deininger, Marketingmitarbeiter bei Bioland, seine Session vom BiolebensmittelCamp 2018 vertieft und über wichtige Faktoren für eine wertvollen Kommunikation gesprochen. Denn die Rahmenbedingungen bestimmen die Tiefe der Kommunikation und nur so können Werte auch sinnvoll vermittelt werden.

Interview zur Session "Wertvoll kommunizieren." mit Till Deininger beim BiolebensmittelCamp 2018. Foto: BLC / Jasmin Walter

Interview zur Session „Wertvoll kommunizieren.“ mit Till Deininger beim BiolebensmittelCamp 2018. Foto: BLC / Jasmin Walter

Beim BiolebensmittelCamp wurde in deiner Session über „Wertvolle Kommunikation“ diskutiert. Ein Standpunkt war, dass sich die Bio-Branche mehr als „Bewegung“ versteht und auch in diesem Sinn auftreten sollte. Gibt es hier schon positive Beispiele und wie gelingt der Anfang?

Ja, darüber haben wir beim vergangenen BiolebensmittelCamp auch gesprochen. Denn Bio ist nicht nur ein einzelner Aspekt in der Landwirtschaft, sondern vereint viele Themen, wie Tierwohl, Regionalität, handwerkliche Verarbeitung bis hin zu Grundwasser- oder Klimaschutz. Das ist weder Greenwashing noch Zufall, es erwächst aus der inneren Überzeugung, dass Bio von gesellschaftlicher Relevanz ist. Diese Haltung ist es, die die Bewegung seit den Anfängen prägt.

Heute ist die Distanz zwischen Käuferinnen und Käufern und den Bauern größer als in den Gründerjahren von Bioland. Daraus entsteht die Herausforderung, gleichzeitig die Zusammenhänge der Landwirtschaft zu erklären und die innere Haltung authentisch zu vermitteln.

Welche Rollen können die unterschiedlichen Akteure der Bio-Branche (Erzeuger, Marken, Handel, etc.) hier einnehmen?

Egal ob Bauer, Bäcker, Brauer, Großhändler oder selbstständiger Kaufmann, jeder Akteur in der Branche hat eine andere Rolle. Gerade wir als Verband Bioland haben hier eine Sonderrolle, findet man doch unser Markenzeichen auf vielen Produkten unterschiedlicher Hersteller. Das gibt uns eine neutralere Rolle. Wir erscheinen weniger werblich. Daneben ist aber auch der Vertriebsweg entscheidend.

Die Kundinnen und Kunden beim Direktvermarkter können vielleicht noch im Hofcafé bei Kaffee und Kuchen verweilen und die Stimmung auf dem Bauernhof mit allen Sinnen aufnehmen. Die Herstellermarke im Fachhandel ist den Stammkunden über Jahrzehnte ans Herz gewachsen. Im Alltag nehmen sich nicht alle Menschen die Zeit für bewusste Wahl beim Einkauf, selbst wenn es eine Bäckerei mit Café im Laden gibt.

Entscheidend ist, die Touchpoints gut zu kennen und zu nutzen. Denn gerade die Kundinnen und Kunden, die im Alltag schnell im Bahnhof einkaufen, freuen sich vielleicht am Wochenende auf den Ausflug zum regionalen Bauernhof.

Du bist für Bioland im Marketing tätig. Wie geht ihr bei Bioland mit wertvoller Kommunikation um? Welche Punkte machen Kommunikation wertvoll?

Kommunikation ist vor allem dann wertvoll, wenn sie funktioniert. Wenn du deinem Gegenüber etwas sagst und er es versteht. Das hört sich erstmal trivial an, aber denken wir an Kommunikation im Straßenverkehr: jeder hat eine ganz eigene Geschwindigkeit und Ziele: z.B. ein LKW-Fahrer, ein Fahrradfahrer oder ein Spaziergänger mit Hund.

Die Rahmenbedingungen bestimmen die Tiefe der Kommunikation.

Die Geschwindigkeit in den verschiedenen Vertriebskanälen ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Es geht also darum, den Kundinnen und Kunden dort wo sie sind, das mitzuteilen, was sie auch aufnehmen können. Bieten wir ein Verkaufsgespräch an, sollten beide Seiten auch Ruhe und Zeit dafür haben. Nur dann können wir die Werte der Bewegung vermitteln.

Foodblogs haben großes Potential für die Bio-Branche. Wie bekommt man die Welten zwischen stylischen Foodblogs und der europäischen Agrarpolitik zusammen?

Foodblogs, aber auch Blogs der Themenwelten wie Outdoor oder Babys bieten vielfältige Möglichkeiten, um die ganze Themenpalette der Bio-Welt zu transportieren. Auch hier gilt: Jeder bringt eigene Anknüpfungspunkte mit. Denn hinter jedem Blog steht ein Mensch. Begeistern wir ihn, können wir jedes Thema vermitteln. Und wenn es mal um europäische Agrarpolitik geht, dann schreibt die Baby-Bloggerinnen über Rückstände in Nahrungsmitteln und der Outdoor-Blogger über Ausgleichszahlungen für den Erhalt von Kulturlandschaft.

Zu guter Letzt ein ganz anderes Thema: Wie verschlägt es jemanden, der Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Italienische Philologie und Geschichte studiert hat zu dem größten Bio-Verband in Deutschland?

Essen ist gerade in Italien weit mehr als Nahrungsaufnahme. Die UNESCO hat die mediterrane Küche 2010 zum Weltkulturerbe erhoben. Ich teile die Leidenschaft der Italiener für’s Essen. Es ist eine einfache Küche, die darauf basiert, dass bei der Qualität der Zutaten keine Kompromisse gemacht werden.

Diese Kompromisslosigkeit beginnt nicht erst im Topf oder auf dem Acker. Sie beginnt im Kopf.

Einen dieser Köpfe habe ich auf der Expo 2015 in Mailand kennengelernt: Sepp Braun. Er ist ehrenamtliches Mitglied im Präsidium von Bioland. Wer ihn trifft erkennt sofort den engagierten und aus innerer Haltung agierenden Bio-Bauern.

Vielen Dank, Till Deininger, für deine Einblicke in die unterschiedlichen Zutaten einer wertvollen Kommunikation!