BlogFachartikel, Interviews und Einblicke für Biolebensmittel und Naturkost

Generationenwechsel: Helden und ihre Kinder. Interview mit Sophie Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten.

Immer mehr Öko-Pionierunternehmen und Bio-Bauern stehen vor einem Generationenwechsel. Dazu zählten auch die Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Beim BiolebensmittelCamp werden die Tante Gudrun und Nichte Sophie Schweisfurth darüber sprechen, was ein Generationswechsel für die Firma und die Beteiligten bedeutet. Nach dem Motto: Welche Wurzeln brauchen wir für die Zukunft und wie können wir unseren Visionen Flügel verleihen?

(v. links) Ehemann Mathias Stinglwagner und Sophie Schweisfurth & Gudrun und Karl Schweisfurth. Foto: Herrmannsdorfer Landwerkstätten

(v. links) Ehemann Mathias Stinglwagner und Sophie Schweisfurth & Gudrun und Karl Schweisfurth. Foto: Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Liebe Sophie, du hast am 1. Mai die Geschäftsführung von deinem Onkel Karl übernommen. Wie fühlt sich deine neue Aufgabe jetzt, ein halbes Jahr später, an?

Mit Freude gehe ich morgens in die Arbeit, da es jeden Tag aufs Neue spannend ist. Die Aufgaben und Tätigkeiten sind sehr abwechslungsreich und jeden Tag kommt noch etwas Unvorhersehbares dazu. Die Herrmannsdorfer haben mich sehr gut aufgenommen und ich fühle mich auch als Geschäftsführerin von unseren ganz besonderen Mitarbeitern unterstützt.

Deine Tante Gudrun und du erzählen beim BiolebensmittelCamp ganz persönlich und aus zwei Perspektiven, wie ein Generationenwechsel gelingen kann. Hier gib es sicher einige Herausforderungen?! Worauf seid ihr besonders stolz, diese gemeistert zu haben?

Ich bin besonders stolz auf unsere Familie, Freunde und Mitarbeiter, die uns in dem ganzen Prozess unglaublich unterstützt haben. In vielen Stunden haben wir uns ausgetauscht und waren dabei immer respektvoll und ehrlich zueinander. Derartige Veränderungen beinhalten immer auch Befindlichkeiten und emotionale Herausforderungen, die wir immer gemeinsam lösen und meistern konnten. Ich denke, das wird auch unsere zukünftige Zusammenarbeit prägen. Details verraten wir beim BiolebensmittelCamp.

In der Beschreibung der Keynote lasst ihr schon anklingen, dass es Wurzeln braucht, um Visionen auch Flügel zu verleihen. Was sind, aus deiner Sicht, gute Wurzeln?

Luftaufnahme der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Foto: Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Luftaufnahme der Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Foto: Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Eine ehrliche und „WERT“volle Basis sind meinem Verständnis nach gute Wurzeln.

Geprägt vom Leben und den Werten meines Großvaters Karl Ludwig Schweisfurth und der langen Führung durch meinen Onkel Karl Schweisfurth hat sich das Unternehmen Herrmannsdorfer Landwerkstätten immer durch ethische Grundwerte und dem richtigen Umgang mit Mensch Tier und Natur leiten lassen. Darauf lässt sich aufbauen und immer wieder zurückbesinnen.

Karl Ludwig Schweisfurth hat 1984 als bereits sehr erfolgreicher Unternehmer (Herta Fleischwaren) nochmal neu angefangen und die Herrmannsdorfer Landwerkstätten gegründet. Die Vision: Wieder das zusammenbringen, was zusammengehört. Kannst du diese Philosophie in ein paar Sätzen kurz beschreiben?

Bio ist nicht gleich Bio. Biologische Lebensmittel werden als unbelastet oder naturbelassen bezeichnet, aber was bedeutet das wirklich?! Ist nicht unsere gesamte Wirtschaftsweise und der Kreislauf als Gesamtheit zu sehen und nur dann wirklich nachhaltig in allen Formen? Meiner Meinung nach reicht ein Bio-Siegel nicht aus, um wirklich zu sagen, dass es sich um ein ethisch vertretbares Produkt handelt. Es handelt sich um Mindeststandards.

Deshalb beginnt bei Herrmannsdorfer alles am Acker, also im Boden und endet beim Kunden auf dem Teller. Und diese gesamte Wertschöpfungskette muss ineinander greifen. Nur so macht es für uns Sinn und nur so können wir die ganz besondere ökologische Qualität handwerklich herstellen.

1984 hat Karl Ludwig Schweisfurth die Herrmannsdorfer Landwerkstätten gegründet. Foto: Herrmannsdorfer Landwerkstätten

1984 hat Karl Ludwig Schweisfurth die Herrmannsdorfer Landwerkstätten gegründet. Foto: Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Blickt man auf eure Website, merkt man schnell, dass ihr eine unglaubliche Angebotsvielfalt habt – von der Bio-Landwirtschaft, über Metzgerei, Bäckerei, Käserei, Brauerei, bis zum Wirtshaus, Bistro und eigenen Veranstaltungen. Wie schafft man es, dass alles ineinander greift und sich Mensch und Tier dabei wohl fühlt?

Manchmal frage ich mich, wie das andere ohne Kreislauf schaffen. Es gehört doch alles zusammen. Nein Spaß beiseite. In Herrmannsdorf gibt es viele Gewerke und diese haben Synergien, die wir nutzen und auch stetig ausbauen. So nutzt unsere Küche für ihre Knödel Brot aus der Bäckerei und für die Bolognese das Fleisch aus der Metzgerei.

Wir bestimmen so über die eigene Qualität der Hauptzutaten. Da hört es für uns aber noch lange nicht auf. Altbrot wird verarbeitet oder als Futter den Tieren gegeben. Kurse dienen zur Veranschaulichung unseres Handwerks und zum Wissenstransfer über unsere Handlungsweisen. Und so gibt es in Herrmannsdorf unzählige Beispiele.

Vielen Dank, Sophie Schweisfurth! Mehr zu diesem Thema gibt es dann beim BiolebensmittelCamp Mitte März 2019 in Fulda.