BlogVon Mai 2016 bis Juni 2019

Die Zukunft unserer Ernährung – Interview mit Dr. Alexander Beck, Geschäftsführender Vorstand der AöL.

Alexander Beck kennt die Bio-Branche wie kaum ein Zweiter und hat die Bio-Verordnung und damit die Grundlage all unserer Arbeit wesentlich geprägt. Beim BiolebensmittelCamp wird Alexander über Fehlernährungen, aber auch positive Trends und vor allem über politische Aspekte sprechen. Einen kleinen Einblick in seinen Impuls „Zukunft unserer Ernährung“ gibt er heute im Interview.

Beim BiolebensmittelCamp 2019 spricht Alexander Beck über die Zukunft unserer Ernährung. Foto: AöL

Beim BiolebensmittelCamp 2019 spricht Alexander Beck über die Zukunft unserer Ernährung. Foto: AöL

Gleich vorweg: Bist du, was die Zukunft unserer Ernährung angeht, eher positiv oder negativ eingestellt?

Ich bin geborener Optimist. Ich denke bei vielen Themen: „Wir schaffen das schon.“ Wir können es auch schaffen, nachhaltig zu essen. Dazu reicht es aber nicht, kurzweilig zu denken und nur auf sich zu schauen. Der Optimist hat etwas mehr Mut, er versucht etwas mehr Weitblick zu haben und glaubt letztendlich an das Gute im Menschen.

Immer wieder hört man das Argument: „Die ökologische Landwirtschaft ist zwar gut und schön, aber die ganze Welt kann sie nicht ernähren.“ Stimmt das?

Mit der ökologischen Landwirtschaft, wie sie heute ist, werden wir die Welt weder ernähren noch vor dem ökologischen Kollaps retten können. Um die Welt tatsächlich retten zu können, ist noch viel mehr nötig.

Unser Essen muss vom Acker bis zum Teller nachhaltig sein und zwar in seiner ganzen Breite und Tiefe.

Dort kann der Ökolandbau auch einen großen Beitrag leisten. Denn die ökologische Lebensmittelbewegung hat spannende Konzepte, die wichtige Eckpunkte liefern, um die Ernährung kommender Generationen im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen zu sichern.

Bio boomt, nicht nur in Europa – Stichwort Bio auch im Discounter. Das ist doch gut oder etwa doch nicht? Was ist deine Einschätzung dazu?

Ich habe da keine Sorge, denn natürlich brauchen wir Bio für alle. Und das geht nicht ohne den LEH und die Discounter. Die haben das Zeug dazu, das Thema in die Breite zu bringen. Und wenn das gelingt, ist allemal für die Umwelt und die Lebensmittelqualität etwas gewonnen. Die Nachhaltigkeitsprobleme der Ernährungssysteme sind damit jedoch noch nicht gelöst. Hierzu braucht es neue Akteure, die heutige Konzepte weiterentwickeln und noch zukunftsfähiger machen.

Ihr setzt euch mit der AöL für den Schutz und die Bewahrung der Artenvielfalt ein. Wie gelingt das in der Praxis und welche Unternehmen sind hier Vorreiter?

Wir sind da auf einem guten Weg und versuchen uns, als Arbeitsgemeinschaft AöL, gegenseitig zu inspirieren und um einen internen Wettbewerb, um die spannendsten Umsetzungskonzepte zu etablieren. Denn wir sind uns im Klaren darüber, dass für das Ernährungssystem das Thema Biodiversität vermutlich wichtiger ist als das Thema Klima – obwohl dieses in aller Munde ist.

Brainstorming bei einer der AöL-Versammlungen. Foto: AöL

Brainstorming bei einer der AöL-Versammlungen. Foto: AöL

Dennoch wissen wir aber auch, dass wir bis heute noch nicht die richtigen Instrumente kennen, um Biodiversitätsleistungen entlang der Lebensmittelkette gut zu bewerten. Hierzu haben wir Forschungsprojekte initiiert und begleitet – leider ist der Erfolg bisher begrenzt. Umgekehrt sind wir davon überzeugt, dass wir Biodiversität besser bewerten können und auch besser mit den Kunden darüber sprechen können. Und da wollen wir hin.

Welche Projekte plant ihr für 2019, kannst du schon etwas verraten?

Wir arbeiten an Biodiversität, Digitalisierung des Handels und an der Ernährungsfrage. Weiter wollen wir uns um Management-Instrumente kümmern, die den Unternehmen helfen, bessere Technologien einzusetzen, führend in der Nachhaltigkeitsausrichtung zu sein und eine ökologische Produktion innovativ und sicher umzusetzen.

Auf was dürfen sich die Teilnehmer*innen beim BiolebensmittelCamp im Rahmen deines Morgenimpulses zum Thema „Zukunft der Ernährung“ freuen?

Ich werde über etwas sprechen, dass wir alle gern tun: über das Essen. Ich möchte mit euch anschauen, wie wir unsere Vorstellung eines leckeren, nachhaltigen Lebensmittels in die Zukunft tragen können.

Vielen Dank, Alexander Beck, für deinen kleinen Einblick. Wir freuen uns auf mehr, dann beim BiolebensmittelCamp Mitte März in Fulda!