BlogVon Mai 2016 bis Juni 2019

Fachlich, herzlich und sinnstiftend – das war das 3. BiolebensmittelCamp 2019 im Morgensternhaus in Fulda.

Unter dem Motto „Zeit für Lichtblicke, Geistesblitze und Sternstunden“ trafen sich von 16. bis 17. März 2019 engagierte Bios aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette zum BiolebensmittelCamp 2019. Im Morgensternhaus in Fulda wurde gemeinsam über Lösungen zu konkreten Fragestellungen diskutiert. Dabei wurde schnell klar, dass durch das fachliche, konstruktive und wertschätzende Miteinander eine grünere Zukunft machbar ist.

Gruppenfoto beim BiolebensmittelCamp 2019 im Morgensternhaus. Foto: BLC/Jasmin Walter

Gruppenfoto beim BiolebensmittelCamp 2019 im Morgensternhaus. Foto: BLC/Jasmin Walter

Geistesblitze: Learnings aus den Sessions

Insgesamt wurden 20 Themenvoschläge von den Teilnehmer*innen beim BiolebensmittelCamp 2019 in Fulda eingereicht. 14 davon schafften es schließlich auf die Agenda und wurden in Sessions in den zwei Räumen Sonne & Mond besprochen. Es ist unmöglich, alle daraus entstandenen Ideen hier in einem Blogbeitrag zusammenzufassen. Außerdem erachtet jede/r Teilnehmer*in andere Impulse für sich als praxisrelevant. Deshalb habe ich hier meine ganz persönlichen Learnings zusammengefasst:

  • Auch wenn wir das oft nicht wahrhaben wollen, die Wünsche der Mitarbeiter*innen unterscheiden sich oft erheblich von denen der Geschäftsführung, den Inhaber*innen. Dennoch, oder genau deswegen, lohnt es sich, aufeinander zu zugehen. Denn nur gemeinsam kann Großes erreicht werden.
  • Auch wenn konventionelle Unternehmen meist viel mehr Budget zur Verfügung haben, um ihre Marken immer wieder in unseren Köpfen zu platzieren – wir haben die Marke BIO, wir müssen sie nur positiver und auch leichter kommunizieren und dabei die unglaubliche Vielfalt betonen, die der Kunde so liebt.
Rege Diskussionen in den Sessions. Foto: BLC/Jasmin Walter

Rege Diskussionen in den Sessions. Foto: BLC/Jasmin Walter

  • Nachhaltigkeitsreporting ist zwar sinnvoll, doch leider schadet das sogenannte „Cherry-Picking“ der generellen Glaubwürdigkeit.
  • Große Visionen (Stichwort „Weltrettung“) sind gut und wichtig, allerdings hemmen sie auch oftmals, mit den ersten Schritten zu beginnen. Viele kleine Schritte führen eher zum Ziel, als ein großer. Auf die Politik sollten wir uns nicht verlassen.
  • Selbstausbeutung ist keine Lösung und bringt niemanden etwas – weder einem selbst, noch den Mitarbeiter*innen. Bio muss auch wirtschaftlich funktionieren.
  • Lohn und Urlaub sind den Mitarbeiter*innen (natürlich) wichtig. Sinnstiftend wird es aber erst, wenn sie die eigene Wirksamkeit spüren können.
  • Wir müssen die Arbeit der Pionierunternehmen schätzen, denn ohne sie wäre die Ökologische Landwirtschaft nicht da, wo sie heute ist. Die Aufgabe der jungen Generation ist es, mit diesem Erbe verantwortungsvoll umzugehen und es mit der größtmöglichen Freiheit an die neue Zeit anzupassen. Hier muss die erste Generation loslassen.
  • Die Zusammenarbeit mit Journalist*innen, Blogger*innen und Influencern ist und bleibt individuell. Ein roter Teppich ist genauso wenig sinnvoll, wie darauf zu hoffen, dass jeder alles gratis macht.
  • Wir sollten uns nicht zu sehr von Algorithmen, wie auf Facebook und Co., steuern lassen.
  • Bei der Bodenfruchtbarkeit müssen wir ganzheitlich denken, mit der Natur fühlen und handeln.
Austausch auf Augenhöhe in einer inspirierenden Umgebung. Foto: BLC/Jasmin Walter

Austausch auf Augenhöhe in einer inspirierenden Umgebung. Foto: BLC/Jasmin Walter

Die Teilnehmer*innen des BiolebensmittelCamp können alle Mindmaps im geschützten Bereich online einsehen. Wir werden in weiterer Folge über die Sessions im Blog berichten und im Newsletter teilen. Hier kann man den BiolebensmittelCamp-Newsletter abonnieren.

Lichtblicke: Impulse von Sophie und Gudrun Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten sowie Alexander Beck von der AöL

Den Abschluss am Samstag bildete in diesem Jahr die moderierte Keynote mit Sophie und Gudrun Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Das Thema lautete „Helden und ihre Kinder – was bedeutet der Generationenwechsel für die Firma und die Beteiligten?“. Tante Gudrun und Nichte Sophie, die im letzten Jahr die Geschäftsführung übernommen hat, erzählten sehr persönlich und aufrichtig sowie aus unterschiedlichen Perspektiven, was die Erfolgsfaktoren waren und wo es auch Stolpersteine gab. Das Resume:

Eine glückliche Unternehmensnachfolge bedarf Zeit, freie Entscheidungen und eine unabhängige Begleitung. Ein Plan B ist nicht hilfreich.

Sophie und Gudrun Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten hielten die Keynote beim 3. BiolebensmittelCamp. Foto: BLC/Jasmin Walter

Sophie und Gudrun Schweisfurth von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten hielten die Keynote beim 3. BiolebensmittelCamp. Foto: BLC/Jasmin Walter

Der Morgenimpuls am Sonntagvormittag kam in diesem Jahr von Alexander Beck, dem Geschäftsführenden Vorstand der AöL. Mit seinem sehr leidenschaftlichen Plädoyer zeigt er anhand eines Apfels auf, wie beschränkt unsere Ansichten zum Thema Ernährung oft sind. Würde man die Inhaltsstoffe eines Apfels separiert herausziehen, bekommt man lediglich eine braune, sich schnell verflüchtigende Brühe, die wenig mit einem lebendigen Apfel zu tun hat.

Alexander Beck, AöL, sprach im Morgenimpuls über die Zukunft unserer Ernährung. Foto: BLC/Jasmin Walter

Alexander Beck, AöL, sprach im Morgenimpuls über die Zukunft unserer Ernährung. Foto: BLC/Jasmin Walter

Sternstunden: Fachlicher und wertschätzender Austausch auf Augenhöhe

Eine Teilnehmerin hat es in der Feedbackrunde ganz treffend formuliert. Während sich beim ersten BiolebensmittelCamp vieles sehr pessimistisch anhörte, war dieses Mal Optimismus spürbar. Das hat dazu geführt, dass die Diskussionen, trotz vieler kritischer Stimmen, offen, konstruktiv, wertschätzend und sehr herzlich waren.

Danke an dieser Stelle an alle, die eigene Methoden mitgebracht haben und so die Sessions noch individueller und wirkungsvoller gestaltet haben. Die Fischbowl-Idee werden wir wohl auch beim nächsten Camp anbieten.

Gute Stimmung beim kleinen Stree Food Festival am Samstagabend. Foto: BLC/Jasmin Walter

Gute Stimmung beim kleinen Stree Food Festival am Samstagabend. Foto: BLC/Jasmin Walter

Am Abend zogen dann auch die Regen-Wolken vorüber, der Mond und die Sterne blinzelten heraus und das Morgensternhaus entfaltete seine besondere Atmosphäre. Ruhig wurde es aber noch lange nicht. Beim kleinen Street Food Festival mit insgesamt 5 Stationen, ausgerichtet vom bankett sinnreich, war für jeden Bio-Geschmack das richtig dabei und die Teilnehmer*innen tauschten sich bis spät in die Nacht aus. Dank den Beats von dj audioplayer wurde dann auch noch das Tanzbein geschwungen.

Wie geht es nun weiter?

Obwohl wir noch nichts Konkretes über ein 4. BiolebensmittelCamp vor Ort sagen konnten, waren die lobenden Worte überwältigend und der Wunsch der Teilnehmer*innen in Richtung Fortsetzung sehr eindeutig. Ich als Veranstalter sehe hier auch meine Verantwortung im Dienste der ökologischen Landwirtschaft, möchte aber auch betonen, wie schwer es oftmals ist, in der Bio-Branche die notwendige Unterstützung zu finden. Es freut mich sehr, dass sich bereits zwei Partner offen in der Feedbackrunde dazu bekannt haben, die Partnerschaft fortzuführen. Sobald wir 5 Premium-Partner mit im Boot haben, machen wir uns auf den Weg. Wir freuen uns über eure möglichst rasche Kontaktaufnahme. Danke an dieser Stelle an alle Partner, die uns in diesem Jahr unterstützt haben!