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Bildung für nachhaltige Entwicklung – Was sollten Schüler*innen über nachhaltigen Konsum lernen? Interview mit Stephanie Laux von organic Marken-Kommunikation

Wie und vor allem wo kann man Schüler*innen dazu begeistern, sich mit nachhaltigem Konsum auseinanderzusetzen? Und welche Rolle spielen (Bio-)Lebensmittelhersteller und -handel? Diesen Fragen ist Stephanie Laux von organic Marken-Kommunikation in ihrer BiolebensmittelCamp-Session auf den Grund gegangen. Wir haben nachgefragt:

Bildung für nachhaltige Entwicklung – Was sollten Schüler*innen über nachhaltigen Konsum lernen? Foto: pixabay.com/studioessen

Bildung für nachhaltige Entwicklung – Was sollten Schüler*innen über nachhaltigen Konsum lernen? Foto: pixabay.com/studioessen

In der Session haben wir schon ein paar Projektbeispiele besprochen, wie Schüler*innen an eine nachhaltige Ernährung herangeführt werden, wie z.B. in der Schulkantine oder durch Workshops. Was denkst du, wie könnte man das Thema in den Schulen noch weiter vorantreiben?

Neben der Durchführung von Kräuterwanderungen kann die Pflege eines Schulgartens inklusive Ernten der Lebensmittel, Verarbeiten in der Küche und Verzehren der Speisen einen wertvollen Beitrag dazu leisten, Schüler*innen für Umwelt- und Ressourcenschutz zu sensibilisieren. Projektwochen können dafür genutzt werden, um sich z. B. mit der Klimawirksamkeit von Lebensmitteln oder der für den Anbau benötigten Ackerfläche (Flächenrechner mym2.de) zu beschäftigen. Kürzlich haben wir für die Verbraucherzentrale Berlin einen interaktiven Workshop zum Thema „Nachhaltig einkaufen und essen“ konzipiert. Die Schüler*innen lernen unter anderem die Unterschiede zwischen ökologischem und konventionellem Landbau mittels eines Quiz kennen und erhalten Tipps für den nachhaltigen Einkauf. Mit Hilfe eines Online-Rechners ermitteln sie die CO2-Bilanz von Gerichten in Abhängigkeit von Region und Saison.

Neue Formate könnten darüber hinaus Food Truck-Festivals auf dem Schulhof oder schulinterne/-übergreifende Koch-Wettbewerbe sein. Einen hohen Stellenwert nimmt zudem die Zusammenarbeit von Schulen mit lokalen Erzeugern, Herstellern und Lebensmittelbetrieben ein, um regionale Bezugspunkte zu schaffen und den regionalen Fokus zu stärken, z. B. durch Bauernhofbesuche, Betriebsbesichtigungen, Produktverkostungen etc. Dazu gehört auch die Einladung von Referent*innen aus der Praxis. Daneben fördert die regelmäßige Beteiligung an Müllsammelaktionen beispielsweise im Rahmen der Kampagne „Sauberhaftes Hessen“ („Sauberhafter Schulweg“) das Umweltbewusstsein der Schüler*innen.

Wo liegt noch weiteres Potential, Schüler*innen auch außerhalb von Schulen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren?

Eine wichtige Voraussetzung ist die Sensibilisierung von Multiplikatoren in Sportvereinen, Jugendgruppen (Kirchen, Feuerwehren), Landfrauenverbänden sowie sonstigen Vereinen und gemeinnützigen Organisationen. Durch die Veranstaltung beispielsweise von Flohmärkten, Kleidertausch-Partys, die Unterhaltung von Repair Cafes, Bücher-Tausch-Börsen/-Schränken etc. können Schüler*nnen für nachhaltiges Engagement begeistert werden.

Stephanie Laux in ihrer Session beim vergangenen BiolebensmittelCamp 2019. Foto: BLC/Jasmin Walter

Stephanie Laux in ihrer Session beim vergangenen BiolebensmittelCamp 2019. Foto: BLC/Jasmin Walter

Welche Rolle spielen (Bio-)Lebensmittelhersteller und -handel und in welchem Bereich liegt deren Handlungsbedarf?

Der Lebensmittelhandel trägt die Verantwortung, durch eine kindgerechte, „coole“ Kommunikation dazu beizutragen, Kinder und Jugendliche an eine nachhaltigere, gesündere Ernährung heranzuführen: Wozu ist Bio gut? Was bringt mir der Kauf von Bio-Lebensmitteln? Welche Auswirkungen hat mein Einkauf auf die Umwelt und die Lebensbedingungen meiner Enkelkinder? Nicht nur bei konventionellen, sondern auch bei Bio-Produkten ist die langfristige Reduktion des Zucker-, Salz- und Fettgehalts von Fertigprodukten erstrebenswert. Hier ist die Zusammenarbeit von Herstellern und Händlern unabdingbar, solange es keine verbindlichen, gesetzlichen Vorgaben gibt.

In welcher Form kann Marketing für diesen Prozess hilfreich sein? Oder wie könnte man Social Media hier einbinden?

Im Social-Media-Bereich sind Influencer und Blogger wichtige Mittler, um Jugendliche zu einem umweltfreundlicheren Verhalten zu motivieren, da sich diese einen großen Teils ihrer Freizeit darin bewegen. „Zero Waste“ ist aktuell ein großes Thema in vielen Online-Kanälen. Diese Euphorie in Bezug auf nachhaltige Themen sollte für die gezielte Ansprache von Jugendlichen genutzt werden. So sensibilisiert die „Zero Waste“-Bewegung, allen voran Vorbilder wie z. B. Bea Johnson, Shia Su und Milena Glimbovski, für den immensen (Plastik-)Verpackungsverbrauch und die große Lebensmittelverschwendung. Entscheidend dabei ist die Art und Weise, wie Botschaften überbracht werden, z. B. nach dem Motto: „Ein müllfreies Leben spart Geld, Zeit und macht Spaß“. Weiterhin können beispielsweise digitale wie auch analoge Diskussionsforen junge Zielgruppen für nachhaltige Themen begeistern.

Vielen Dank, Stephanie Laux, für den Einblick in deine Session beim vergangenen BiolebensmittelCamp!